Von Harry Pross

Die moderne Publizistik ist wie die Außenpolitik eine europäische Erfindung. Von der Rhetorik des Aristoteles bis zur modernen Meinungsforschung führt ein mannigfach gekrümmter, aber durchgehender Weg. Der Redner und der Hörer, der Schreibende und der Leser standen durch Jahrtausende in der Wechselbeziehung, die ihr Verhältnis im Grunde heute noch bestimmt. Was sich änderte, waren die Mittel und mit den Mitteln kamen neue Figuren ins überlieferte Beziehungsnetz, bis wir es in unserem Jahrhundert so weit gebracht haben, daß das publizistische Mittel einen eigenen Apparat erfordert, hinter dem Autor und Leser, Redner und Hörer zurücktreten.

Diese Aufbauschung des Apparates, den die Technik verursacht, ist weniger beunruhigend als gemeinhin angenommen wird: Auch in ihr die ganze Geschichte der europäischen Entwicklung präsent ist. Die Leute des Apparates sind keine Analphabeten, sie werden von den Hemmungen gezügelt und den Antrieben geformt, die unsere gesamte Geschichte bestimmen – eine Geschichte übrigens, die wiederum eine Erfindung der Publizistik ist.

Was geschieht aber nun, wenn in unserer Zeit die europäischen Publikationsmittel in Gesellschaften exportiert werden, die eine eigene Geschichte haben, womöglich eine Geschichte ohne Literatur, eine Kultur ohne publizistische Mittel der europäischen Art?

Es ist das Verdienst der Münsteraner

Henk Prakke und Mitarbeiter: „Publizist und Publikum in Afrika“; Verlag Deutscher Wirtschaftsdienst G. m. b. H., Köln; 312 S., 25 DM

Harald Voss: „Rundfunk und Fernsehen in Afrika“; Verlag Deutscher Wirtschaftsdienst G. m. b. H., Köln; 292 S., 25,– DM