Nach Françoise Sagan ist für die Frauen zweimal im Jahr, wenn die neuen Modelle der Couturiers auf den Markt kommen, eine besondere Vergnügungssteuer fällig. Bei der Herrenmode tauchte dieses Problem noch nicht. auf, denn – die Erfahrung lehrt es – der Herr zieht am liebsten das Vorjährige an. So melden denn die Schneider für 1964: Nichts Neues. Der Herr’von 1964 trägt das gleiche wie sein Vorgänger, so beschlossen und vorgeführt in Travemünde auf der „Bundesmode-Lehrtagung der Arbeitsgemeinschaft des Bekleidungshandwerks“.

Die einzige Neuigkeit kam versteckt aus einem Modeheftchen. Darin heißt es: „Der Herr soll in Zukunft im Büro und in der Stadt Sakko und Hosen aus Stoffen in verschiedenen Farbtönen mit einer Weste tragen, die entweder mit der Hose oder mit dem Sakko übereinstimmt. Dabei soll die Hose möglichst heller sein als der Sakko. Dieser kombinierte Anzug soll“, so heißt es, „im Büro und als Stadtanzug getragen werden.“ Das haben sich die Maßschneider der Londoner Saville Road ausgedacht.

Ob sie gemerkt haben, daß sie da eine Revolution anzetteln? Selbst wenn es ziemlich ungewiß ist, daß irgendein männliches Wesen dafür auf die Barrikaden steigt – sie ist immerhin beachtlich, diese „Kriegserklärung gegen den korrekten Anzug“. glp