Ein Bericht über Kadars Ungarn – „Wer nicht gegen uns ist, ist für uns“

Von Wolfgang Venohr

Schauen Sie, das ist so: Die Amerikaner stehen seit Beginn der Kennedy-Administration mit den Polen auf gutem Fuß. Also bemühen sich auch die Westdeutschen darum – jedenfalls Presse, Rundfunk und Fernsehen. Bei uns sind die Amerikaner gerade erst dabei, grünes Licht für bessere Beziehungen zu geben. Also wird es noch eine Weile dauern, bis auch die Bundesrepublik die neue Situation gegenüber Ungarn begreift und dann hinterherhinkt.“

Der das sagte, war ein ungarischer Journalist, ein Funktionär, ein überzeugter Anhänger des Regimes, und er sagte es, ehe ein deutscher Diplomat zu Verhandlungen über die Einrichtung einer Handelsmission in Budapest eintraf. Es war seine aufrichtige Meinung, und sie war sehr subjektiv – und vielleicht auch sehr ungarisch.

Was aber empfinden wir Deutschen wirklich beim Klang des Namens Ungarn? „Ich denke oft an Piroschka“, die Vorstellung von Puszta, Czardas und Zigeunerblut. Das ist das eine, was uns einfällt: Romantik. Und das andere ist: Revolution. Der Volksaufstand von 1956, die Tragödie des ungarischen Freiheitskampfes. Doch das eine gibt es seit mindestens fünfundzwanzig Jahren nicht mehr, und das andere ist fast sieben Jahre her. Wie aber sieht das Ungarn von heute aus?

Dies fällt dem Besucher sofort auf: Im Ungarn des Jahres 1963 hat niemand Furcht, auch bei Unterhaltungen mit Ausländern nicht. Natürlich – gegen den Kommunismus darf man als Ungar nicht offen agitieren. Aber im Vergleich zur Rakosi-Zeit ist alles anders geworden.

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