B. C., Nikosia, im September

Mit auserlesenen Geschenken, einem Schwarm von Dolmetschern und der strikten Weisung, das Moskauer Atomstoppabkommen zu verdammen, fanden sich die rotchinesischen Delegierten letzte Woche zur sechsten Konferenz des Exekutiv-Ausschusses der Afro-Asiatischen Solidaritätsorganisation in der zyprischen Hauptstadt Nikosia ein. Die Konferenz, bei der 23 Nationen vertreten waren, stand denn auch ganz im Zeichen des sowjetisch-chinesischen Gegensatzes.

Die Kreml-Abgesandten wünschten eine Resolution, die das Moskauer Abkommen lobte; die Chinesen trachteten, eine solche Entschließung zu verhindern. Die Delegierten der übrigen Staaten konnten das Thema schlechterdings nicht umgehen, wenn sie sich nicht aller Glaubhaftigkeit begeben wollten, aber sie wagten es auch nicht, Peking vor den Kopf zu stoßen, dessen Vertreter sonst samt den Delegationen aus Nordkorea, Nordvietnam und ihren Anhängern aus Japan, Ceylon und Indonesien die Konferenz verlassen hätten.

Fünf Minuten nach der Eröffnung richtete der chinesische Delegationsleiter seinen ersten Angriff gegen den Moskauer Vertrag und nannte die Sowjets „Handlanger des Imperialismus“. Von da an wurde hinter den Kulissen ununterbrochen über einen Kompromiß verhandelt. Erst acht Stunden nach dem vorgesehenen Konferenzschluß war er fertig, nachdem die Chinesen im letzten Moment noch versucht hatten, den Punkt bis zum nächsten Treffen – im Februar 1964 in Algier – zu verschieben. Das Resultat: die Konferenz „würdigte“ die Anstrengungen der Atom Vertragsunterzeichnen. Die Chinesen ließen sich „mit Vorbehalten herbei, auf eine Opposition gegen die Entschließung zu verzichten.

Mit Mühe und Not wurden weitere Streitereien vermieden – vor allem über den indischchinesischen Grenzkonflikt und die Kuba-Frage; hier half sich die Konferenz damit, daß sie einfach auf die alten Entschließungen des letzten Treffens in Moshi Bezug nahm.

Im übrigen freilich wird das Sekretariat der Afro-Asiatischen Organisation, das seinen Sitz in Kairo hat, von nun an ein wachsames Auge auf China haben. Seit neuestem versucht Peking nämlich, seine eigene afro-asiatische Bewegung aufzuziehen, in der für die weißen Russen kein Platz sein soll. Mit einer Journalistenkonferenz in Djakarta, einem Schriftstellerseminar auf Bali und einem Gewerkschaftskongreß in Indonesien hat es einen ersten Anfang gemacht. Das Kairoer Sekretariat arbeitet jetzt Gegenpläne aus. Leicht wird das nicht sein: Bei der Moshi-Konferenz offerierten die Chinesen afrikanischen Delegierten Bestechungsgelder von 100 bis 1000 Mark als Kaufpreis für eine Stimme.