Von Rino Sanders

Spanien macht wieder von sich reden. Es wirbt, es wird umworben. Es ist das Spanien Francos. Man tut gut daran, sich zu erinnern, wie es dazu geworden ist. Und noch aus einem anderen Grund darf das Buch, in dem diese Erinnerungmächtig wird, besonderes Interesse erwarten – ein Interesse, das nicht unbedingt belletristischer Art ist.

„So spielte sich in Spanien der erste Akt des Zweiten Weltkriegs ab, mit denselben Elementen, wenn auch mit entgegengesetztem Resultat. Eine wahrhaft dramatische Exposition des Themas. Als am 10. April 1939 der Vorhang fiel, hatte Spanien die Demokratie und eine Million Menschen verloren“, schreibt der Autor, Max Aub, aus Mexiko, wohin er nach der Niederlage der Republikaner ins Exil ging, in einem kurzen Nachwort zur ersten deutschen Veröffentlichung eines seiner Romane.

Aub kam mit elf Jahren nach Spanien. Er ist der Sohn eines Deutschen. Im mexikanischen Exil schrieb er außer Romanen Novellen, Filmdrehbücher und Bühnenstücke; in diesem Jahr wird er sechzig. Sein Roman –

Max Aub: „Die bitteren Träume“, aus dem Spanischen von Helmut Frielinghaus; R. Piper & Co Verlag, München; 384 S., 18,50 DM

– ist das letzte Stück einer großen Trilogie über den Spanischen Bürgerkrieg. Man kann nicht sagen, daß dieses Stück in sich geschlossen sei; aber man kann es ohne weiteres unabhängig von den anderen Bänden lesen. Die geschlossene Form, für den Roman seit langem fragwürdig und ästhetisch ohnehin außer Kurs, wäre diesem Thema gar nicht angemessen; denn Max Aub ging es nicht darum, eine Geschichte aus diesem blutrünstigen Krieg zu erzählen, sondern diesen Krieg selbst, und zwar nicht aus der Perspektive derer, die ihn machten, sondern aus der jener, die ihn erlitten.

Anders als Hemingway in „Wem die Stunde schlägt“, schildert er nicht als ein außenstehender, wiewohl in die Geschehnisse hineingerissener Betrachter; bei ihm sind die Spanier unter sich. Allerdings verfährt er in der Weise des klassischen Erzählers, der über seinen Geschöpfen wohnt – und das scheint mir eine formale Inkonsequenz zu sein. Immerhin verschleiert er diese Autorenposition nicht, wendet sich hingegen zuweilen an den Leser, etwa – wenn er mit der Handlungsweise eines seiner Geschöpfe ganz und gar nicht einverstanden, dennoch menschlicher Schwäche eingedenk ist – mit der Frage: „Wer würde an seiner Stelle anders handeln?“