Von J. F. Köver

Am kommenden Montag beginnt in Washington die Jahrestagung des „Internationalen Währungsfonds“ (IWF), einer Institution, deren Bedeutung man sich in der breiteren Öffentlichkeit nur wenig bewußt ist. Aufgabe dieses Fonds ist es, vorübergehend unter Druck geratene Währungen der Mitgliedsländer zu stützen und Liquiditätsschwierigkeiten überwinden zu helfen. Wenn der IWF bisher nicht mehr von sich reden gemacht hat, so liegt es mit daran, daß er sich dieser Aufgabe im großen und ganzen gewachsen gezeigt hat. Die Frage ist, ob das auch in Zukunft der Fall sein wird, wenn nämlich der Welthandel noch weiter wächst und eine Hauptquelle der gegenwärtigen Liquidität – das amerikanische Zahlungsbilanzdefizit – versiegt. Hauptgegenstand der Beratungen in Washington ist deshalb eine Erweiterung der Kreditmöglichkeiten des Fonds. Mit einer grundlegenden Reform des Währungssystems ist jedoch vorläufig nicht zu rechnen.

Wieviele „Divisionen“ hat der IWF zur Sicherung des internationalen Zahlungsausgleichs? Reichen sie aus, um einen Einbruch in die internationale Währungsfront zu verhindern?

Der IWF kann gegenwärtig auf ein Kapital von immerhin rund 15 Mrd. Dollar zurückgreifen. Ferner steht ihm ein mittelfristiger Kredit bis zu 6 Mrd. Dollar zur Verfügung, den zehn Notenbanken – vorbehaltlich einer Konsultation – zugesagt haben. Das ist ein imponierender Betrag, der aber dennoch im Ernstfall kaum ausreichen dürfte, eine internationale Liquiditätskrise zu verhindern.

Da nämlich die Einzahlungen der Mitgliedsländer nur zu 25 % ihres Anteils (Quote) in Gold bestehen und der Rest in Landeswährung geleistet wird, müssen die IWF-Reserven um den Betrag nicht-konvertibler Währungen gekürzt werden. Hinzukommt, daß selbst die Dollar- und Pfund Sterling-Bestände des IWF derzeit nur bedingt einsatzfähig sind, seit nämlich sowohl der Dollar als auch das Pfund in ernste Bedrängnis geraten sind.

Der Mechanismus des IWF funktionierte gut, solange der Dollar und das Pfund als die „Leitwährungen“ im internationalen Zahlungsverkehr unangefochten waren. Bis vor gar nicht so langer Zeit bewegten sich die beiden Währungen wie auf der Wippe eines Kinderspielplatzes. Wenn das eine „Kind“ absank, stieg das andere in die Höhe. Das Gold, das England verlor, floß nach New York. Wurde der Dollar „stärker“, konnte London auf den IWF in Dollars „ziehen“, d. h. eine Währungshilfe verlangen. Dieses muntere Wechselspiel hat aber ein Ende gefunden, seit der Goldstrom aus Amerika nicht mehr überwiegend nach England, sondern in andere westeuropäische Länder und nach Japan fließt; Seither sind beide Leitwährungen in Bedrängnis geraten, eine Entwicklung, an die bei der Gründung des IWF in Bretton Woods vor nunmehr 20 Jahren offensichtlich nicht gedacht wurde!

Da keine Währung sich nach dem Münchhausen’schen Rezept am eigenen Schopf packen und aus dem währungstechnischen Sumpf ziehen kann, ist die unbegrenzte Verwendbarkeit der beiden Hauptposten in den Reservebeständen des IWF fraglich geworden. Auf diese entfallen aber 6 Mrd. des Fonds-Kapitals und 3 Mrd. aus den Hilfskrediten, die im September 1961 vereinbart worden sind. Die Hauptlast der Währungshilfe ruht demnach gegenwärtig auf den Schultern der kontinentalen Länder und Japans. Aber auch deren Möglichkeiten sind nicht unbegrenzt, zumal da sich der wirtschaftliche Horizont Frankreichs zunehmend verschlechtert hat. So scheinen also diejenigen recht zu behalten, die schon seit geraumer Zeit von einer „zu kurzen Decke“ des gegenwärtigen Währungssystems sprechen und eine internationale Liquiditätskrise heraufdämmern sehen.