Von Horst Vetten

Dem Meidericher Spielverein, einem Duisburger Vorortklub, widerfuhr in jüngster Zeit doppelte Popularität: einmal, als er trotz recht dürftiger sportlicher und wirtschaftlicher Referenzen unversehens in die Bundesliga gelangte, und später, als sich bei ihm Helmut Rahn verdingte, jener Fußballspieler, der sich durch zweifachen Torerfolg im Weltmeisterschaftsendspiel von 1954 den auch heute noch gebräuchlichen Titel „Held von Bern“ erworben hat.

Den Meiderichern Vereinschefs war nämlich durchaus bewußt, daß ihrem namenlosen Ensemble ein guter Name nottat, oder wenn’s schon kein guter Name sein könne, dann täte es ein großer auch. Und über solche Gedankengänge stießen sie auf Helmut Rahn.

Dr. Walter Schmidt, Vorsitzender des Meidericher Spiel Vereins, erinnert sich: „Zuerst war ich dagegen, Rahn zu uns zu holen, nicht aus sportlichen Gründen, wohlgemerkt.“

Solch hintergründige Anmerkungen, wie: „... nicht aus sportlichen Gründen, wohlgemerkt“, lösen beim Fußballnormalverbraucher mitwisserisches Kopfnicken aus: ja, ja, der Rahn!

Der Torschütze von Bern hat nämlich schon auf die verschiedenste Weise Schlagzeilen gefüllt. Der Vorzug, auf die Titelseiten populärer Druckschriften zu gelangen, erwuchs ihm zu gleichen Teilen aus seiner Beine, Kunst wie aus der Angewohnheit, in alkoholbeschwingtem Zustand Automobile zu steuern. Weil er überdies, in solcher Situation von der Polizei angetroffen, seine Schnelligkeit gegen weniger behende Ordnungshüter auszuspielen versuchte, weitete sich der Tatbestand zu jenem Delikt aus, das der Staatsanwalt gnadenlos Fahrerflucht zu nennen pflegt, auch bei Fußball-Nationalhelden.

Denn das war Helmut Rahn zu jener Zeit unbestritten, und er erntete fleißig von seinem Ruhm. Indes gefielen seine aufsehenerregenden Angewohnheiten Bundestrainer Herberger ebensowenig wie dem Gericht, und er strich Rahn vorübergehend sogar aus seinem vielzitierten Notizbuch.