Von Rosemarie Winter

Tag für Tag reißt Rudolf K. die Löcher auf dem Winkeleisen für Dachentlüftungsanlagen an. Ernst M. körnt die angerissenen Löcher. Paul S. muß sie bohren. Das Dreier-Team ist seit Jahren als eines der zuverlässigsten in einem kleinen 30-Mann-Unternehmen bekannt.

Seit kurzem macht sich Rudolf K. Gedanken darüber, daß die gleiche Arbeit, für die jetzt drei Mann nötig sind, bei geringen Umstellungen eigentlich von einem allein gemacht werden könnte. Mit Hilfe eines einfachen Anschlages würde die zeitraubende Vorarbeit wegfallen und zwei Arbeitskräfte wären eingespart.

„Wenn das der Chef wüßte“, denkt Rudolf K. Er selbst wird sich hüten, es jemandem zu sagen. Er will nicht zwei Kollegen arbeitslos machen und sich noch zusätzlich den Zorn des Vorarbeiters und des Meisters zuziehen; mit dem Chef in ein Gespräch zu kommen, ist zudem sehr schwierig. Abgesehen davon könnte er dadurch nicht mehr verdienen; der neue Akkord würde auch auf die neuen Voraussetzungen abgestimmt werden. Warum also Unruhe stiften und sich obendrein noch unbeliebt machen?

Also resigniert Rudolf K. Daß sein Verbesserungsvorschlag für die Firma viel mehr wert wäre, als nur zwei eingesparte Arbeitskräfte, die an anderer Stelle wahrscheinlich vorteilhafter eingesetzt werden könnten, das vermag er nicht zu übersehen.

Er ist einer von Millionen und sein Chef einer von Tausenden, die die große Chance des betrieblichen Vorschlagswesens, heute nicht begriffen haben.

Die Arbeitsgänge der modernen Fertigung werden von Jahr zu Jahr monotoner. Die Automation erobert die Betriebe. Die Entfernung zur Betriebsspitze wird immer größer. Trotzdem gibt es eine Möglichkeit für alle, die Hand an der Tür des Chefs zu haben: Das ist der Verbesserungsvorschlag, der von jedem einzelnen Arbeitsplatz kommen kann, vorausgesetzt, daß der Betrieb über ein geordnetes Vorschlagswesen verfügt.