Erst in diesen Tagen gelangte die Kunde zu uns, daß Ernst Kantorowicz vor zwei Wochen in Amerika gestorben ist. Er hatte Deutschland, seine alte Heimat, mit dem Hereinbrechen der Hitlerherrschaft verloren, und dieses Deutschland hat mit ihm, der damals erst nach England, dann nach USA emigrierte, einen seiner großen, gefeierten Schriftsteller und Wissenschaftler verloren. Es hat ihn offenbar so total verloren, daß heute nur noch die ältere Generation seinen Namen kennt und sich jenes Buches „Friedrich I.“ erinnert, das den Dreißigjährigen mit einem Schlage berühmt machte.

Ihm selbst war dieses Werk später sehr fremd, er hat sich in Amerika nur noch mit ganz streng fachlichen Themen aus seinem Gebiet, dem Byzantinismus, beschäftigt. Seine durch Stefan George beeinflußte Jugend, das Deutschland, das geistig so bewegt schien und das dann den Geist so rasch und so total verleugnete, unterdrückte, austrieb, all das lag für ihn hinter dem großen Wasser, das er hatte überqueren müssen.

Was blieb, war seine Freundschaft und Treue für ein paar Freunde, seine unnachahmliche Selbstironie, sein Vergnügen an gutem Wein; was wuchs und zunahm, war sein umfassendes Wissen und seine heitere, gelassene Menschlichkeit. „Und vergessen Sie nicht“, so würde er gesagt haben, „meine Kochkunst zu erwähnen: Kochen ist das einzige, wovon ich wirklich etwas verstehe.“

Eka, wie ihn seine Freunde nannten, starb 68jährig in Princeton, wo er seit 1951 Mitglied des Institute for Advanced Studies war, dem auch Einstein, Parnowski, John von Neumann und andere große Geister angehörten und angehören, die der österreichische Gefreite aus Europa vertrieben hatte. Dff