Von Hans Rolf Strobel

Der Regisseur Hans Rolf Strobel und sein Freund und Mitarbeiter Heinz Tichawsky sind die vielversprechenden Talente des jungen deutschen Films, den es leider noch immer nicht gibt. Beide werden nun schon seit geraumer Zeit von Brotarbeiten fürs Fernsehen absorbiert, haben mindestens einen Spielfilm in der Schublade, aber keine Möglichkeit, ihn zu realisieren. Ihr bisher wichtigster Film, „Notabene Mezzogiorno“, eine soziologische Filmrecherche über die Zustände in Süditalien, die in Florenz mit einem ersten Preis ausgezeichnet wurde, ist für einen abendfüllenden Film zu kurz. Strobel und Tichawsky planen aber einen zweiten Film über den Mezzogiorno; vielleicht kommen die beiden Filme zusammen in unsere Kinos.

Dietrich Kuhlbrodt, verdienter Streiter gegen Papas Kino und für den jungen Film, hat in der ZEIT vom 20. September 1963 über die Tagung der Evangelischen Akademie Berlin berichtet (Laßt Papas Kino ruhig schrumpfen). Er hat aus dem Verhalten’ mancher Tagungsteilnehmer und den Vorschlägen, die ausgearbeitet worden sind, Schlußfolgerungen zu ziehen versucht, denen widersprochen werden muß.

Sie sind nicht nur unrichtig. Würde man Kuhlbrodts Thesen hinnehmen, so würden sie die Situation des Films in Deutschland noch mehr verwirren, wo man doch endlich Klarheit schaffen sollte, und sie würden zu bedenklichen Ergebnissen führen.

1. Kuhlbrodt sagte: In einer Zeit, in der die deutsche Filmwirtschaft dabei ist, sich gesundzuschrumpfen, in der ein überalterter Wirtschaftszweig abstirbt, um dem Fernsehen und dem Filmnachwuchs Platz zu machen, geschehe etwas Verblüffendes: Der Nachwuchs werfe sich dem guten, alten Kino an den Hals. Die Filmwirtschaft habe plötzlich für den Nachwuchs etwas übrig.

2. Kuhlbrodt beanstandete: Der Beginn der „Stiftung junger deutscher Film“ wird durch Geld des Bundesinnenministeriums ermöglicht. Die Jury der „Stiftung“ würde – aus Mitgliedern bestehend, die dem alten, kranken Film verhaftet sind – den Einfluß der Regierung auf den neuen deutschen Film ermöglichen. Wir und die „Stiftung“ hätten unsere Unabhängigkeit des Geldes wegen verschenkt.

3. Kuhlbrodt sagte, indem er den von uns verehrten Pädagogen Professor Paul Heymann zitierte und nicht richtig interpretierte, die jungen Filmleute sollten den Schrumpfungsprozeß abwarten; Sei die Filmindustrie erst einmal von der Aufgabe der Massenunterhaltung befreit, dann sei der Zeitpunkt für eine reiche Entfaltung der Filmkultur gekommen. Die Filmkunsttheater würden überleben.