„Lockender Lorbeer“ (Großbritannien; Rank-Filmverleih): Von diesem Film, dem Spielfilmerstling des radikalen Kritikers, engagierten Dokumentaristen und vielversprechenden Bühnenregisseurs Lindsay Anderson‚ erwartete man, daß er die britische „Neue Welle“ der Richardson, Reisz und Schlesinger aus der Sackgasse des Werkskantinen- und Wohnküchennaturalismus herausführen würde. Die Intentionen sind unverkennbar: Statt eines Milieus führt Anderson einen Menschen vor, statt eines Typs ein Individuum, statt einer Geschichte ein Bewußtseinsprotokoll. Der Held, ein Rugbyspieler mit rauher Weltanschauung und ebensolchen Manieren, plumper Zunge und sehr viel Zorn in seinem empfindsamen Herzen, erinnert ebenso an den Kowalski von „Endstation Sehnsucht“ wie an den Jimmy Porter von „Blick zurück im Zorn“ und schließlich an den Zampanö aus „La Strada“. Einzelheiten sind vorzüglich: Alle Szenen auf dem Spielfeld und drumherum sind von penetranter Realistik; die Montagetechnik verrät den Kenner der Filmgeschichte; die streng kalkulierten Einstellungen treffen das Auge wie ein Lichtstrahl. Aber das Ganze nimmt sich aus wie ein Tennessee Williams, bearbeitet von Marguerite Duras, mit zusätzlichen Dialogen von John Osborne, gespielt von Mitgliedern des Actors’ Studio und inszeniert von Fritz Lang (mittlere Periode). Und was sich zunächst anläßt wie eine kritische Studie über den Professionalismus im Sport, gerät sehr bald zur Beschreibung eines psychopathologischen Falles, bis es am Ende in symbolisch aufgedonnerten Fatalismus versinkt. pat