Hitler, der insgeheim den Angriff auf Polen vorbereitete, zog die Konsequenzen nach seiner Art. Er suchte und fand die östliche Rückendeckung für diese Aggression nunmehr in Moskau. Die Verhandlungen mit Japan schwebten noch, als er im August 1939 ohne Rücksicht auf den Antikominternvertrag den Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion abschloß. Dieser Schlag beendete die Verhandlungen mit Japan und stürzte das japanische Kabinett. Die Japaner fühlten sich schmählich hintergangen, zumal die japanische Armee vor kurzem noch an der mandschurischen Grenze in schwere Kämpfe mit sowjetischen Truppen verwickelt gewesen war. Die Beziehungen zu Deutschland vereisten.

Den Umschwung brachte erst der deutsche Sieg in Frankreich. Dieses Ereignis führte diejenigen Kräfte an die Macht, die das Bündnis mit der scheinbar siegreichen Achse erstrebten, wobei diesmal Armee und Marine zusammengingen. So entstand der Dreimächtepakt vom 27. September 1940, der seinem Sinne nach die Vereinigten Staaten vom Eingreifen in den europäischen oder den chinesischen Krieg abschrecken sollte.

Als Japan am 7. Dezember 1941 Pearl Harbour angriff und als vier Tage später Hitler den Vereinigten Staaten den Krieg erklärte, erschien dieses Vorgehen damals der Welt "als Ergebnis weitreichender Absprachen zwischen Deutschland und Japan, als Vollzug der Aggressionspläne jenes weltpolitischen Dreiecks Berlin–Rom–Tokio, einer verschworenen Aktionsgemeinschaft dreier Völker, die alle von demselben hemmungslosen Expansionsdrang besessen wären". Der amerikanische Außenminister Cordell Hull entwarf nach dem Kriege das düstere Bild einer deutsch-japanischen Verschwörung zur Aufrichtung einer gemeinsamen Weltherrschaft, bei der "jeder erdenkliche Schritt besprochen und ihr Vorgehen bis ins Detail aufeinander abgestimmt wurde".

Der Nachweis dieser Auffassung ist schon bei den Prozessen in Nürnberg und Tokio mißlungen. Der Verfasser hat sie widerlegt. Er führt den schlüssigen Beweis, daß die deutsch-japanische Allianz stets ein Bündnis ohne Rückgrat und ohne Wirkung war. "Was es gab, war eine bedingte und vorübergehende Kongruenz der Interessen und Ziele in wenigen spezifischer Fällen." Sonst jedoch "gab es zu keiner Zeit eine gemeinschaftliche deutsch-japanische Politik. Das Verhältnis der Bündnispartner wat vielmehr bestimmt von endlosen Reibereien, gegenseitigem Mißtrauen und ausgesprochener. Treuebrüchen".

Japan handelte gegen den Sinn des Antikominternpakts, als es im Juli 1937 China angriff. Dadurch schwächte es seine Stellung gegenüber den Sowjets und trieb das Nationale China an die Seite des Kommunismus. Der Nichtangriffspakt Hitlers mit Stalin war eine Verletzung von Text und Geist des Antikominternvertrages. Nach dem Abschluß des Dreimächtepaktes bemühte sich Japan auf deutschen Wunsch um einen Ausgleich mit der Sowjetunion. Es war geradezu eine der Geschäftsgrundlagen des Dreierbündnisses, daß Deutschland für diesen Ausgleich seinen ganzen Einfluß in Moskau einsetzen sollte. Statt dessen faßte Hitler den Entschluß zum Krieg gegen die Sowjets, ohne Japan zu verständigen.

Als der japanische Außenminister Matsuoka im März und April 1941 Berlin besuchte, wurde ihm dort mitgeteilt, daß ein deutsch-russischer Konflikt im Bereich des Möglichen liege. Diese Kenntnis nutzte er aus, um auf der Heimreise in Moskau ohne Unterrichtung des deutschen Verbündeten mit den Sowjets auf fünf Jahre einen Neutralitätsvertrag abzuschließen.

Im Juni 1941 griff Hitler die Sowjets an, ohne Japan vorher zu konsultieren. Ribbentrop verlangte von den Japanern, sie sollten sich diesem Vorgehen anschließen, was sie wohlweislich nicht taten. Matsuoka allerdings begünstigte diese Wünsche Ribbentrops, obwohl er doch, selbst soeben den Neutralitätsvertrag mit den Sowjets abgeschlossen hatte. Er wurde daraufhin von seinen politischen Gegnern gestürzt.