Fast das ganze Jahr 1941 trieben die Japaner ein ränkevolles Doppelspiel. Sie verhandelten hinter dem Rücken ihrer Verbündeten mit Washington über eine japanisch-amerikanische Verständigung. Sie waren dabei stets bereit, den Dreimächtepakt zwar nicht formell zu kündigen, ihn jedoch praktisch ungültig zu machen, falls die Vereinigten Staaten Japan in Ostasien Entgegenkommen zeigten. Erst als dies ausblieb, entschlossen sie sich im November 1941 zum Kriege und überfielen Pearl Harbour, ohne die Achsenmächte vorher irgendwie zu unterrichten. So zog der Dreierpakt die Partner Japans in den Krieg gegen Amerika, den er doch gerade verhindern sollte.

Die Wirkungslosigkeit der Allianz liegt offen zu Tage. Sie hat keines ihrer Ziele erreicht. Sie sollte andere Mächte, namentlich die Vereinigten Staaten, einschüchtern, abschrecken, aus dem Kriege heraushalten. Sie hat das Gegenteil bewirkt. Amerika stellte sich mit doppelter Energie hinter England und China und opferte keinen seiner Grundsätze. Das Britische Reich setzte trotz des Dreimächtepakts den Kampf unerschüttert fort. Tschiang Kai-schek ließ sich nicht zum Friedensschluß mit Japan bewegen. Das vorübergehend verfolgte Konzept eines Viermächteblocks zwischen den Dreiermächten und der Sowjetunion"the worst of our fears", wie Churchill sagte – erwies sich rasch als ein totgeborenes Projekt.

Aus der schicksalhaften Verkettung von Lug und Trug, aus der unwirklichen und deklamatorischen Scheinwelt des Dreierpaktes zieht Sommer eine große Lehre: Jede totalitäre Diplomatie ist wesensmäßig unfähig und unfruchtbar. Er spricht dabei von jener Diplomatie der Propaganda nach innen und nach außen, wie sie früher von den Dreiermächten betrieben wurde und heute mit Vorliebe von den Regierungen des Ostblocks geführt wird. Zu den hervorstechendsten Zügen totalitärer Diplomatie rechnet er ihre Unfähigkeit, überhaupt Kompromisse zu schließen. "Sie geht immer aufs Ganze und versteht unter Ausgleich die Kapitulation des Gegners. Der liberale Begriff der Kooperation, des Zusammenwirkens durch beiderseitiges Nachgeben ist ihr fremd. Diese Kömpromißunfähigkeit war den Nationalsozialisten wie den Nipponisten eigen – und in so hohem Maße, daß sie am Ende in eine wesensbedingte Allianzunfähigkeit umschlug, die ein Zugeständnis an den Verbündeten ebenso ausschloß wie an den Gegner. Daran ist das Bündnis zwischen Hakenkreuz und Sonnenbanner letztlich zugrunde gegangen."

H. U. von Marchtaler