Es geht mir schlecht, Leute, wirklich sehr, sehr schlecht. Ich werde jede Woche geschliffen, daß selbst ein von Hassel mitmenschlich empfinden sollte – obwohl..., na ja ...

Ich werde also jede Woche hart hergenommen, bis mir „der Arsch auf Grundeis geht“. So redet der Feldwebel Rammler, nach Shakespeare, nach Petrarca, nach zwei Weltkriegen, nach der reeducation und nach der „inneren Führung“. Rammler hat’s auf mich abgesehen. Einmal, da waren wir zwei im Wald allein, hat er mich schikaniert, bis ich umkippte. Ein andermal mußten wir durch einen Bach. Â la Aller: erinnert sich noch jemand? Wieviel Tote? Aber die Ausbildung war auch damals „nicht zu hart“.

Nun, ich beiß mich da durch, mehr schlecht als recht. Ich wundere mich zwar, daß ich mir das alles gefallen lasse. Denn ich hatte mir vorgenommen: wenn du mal zur Bundeswehr mußt, dann bleib’ bei Verstand und werd’ nicht zum robbenden Roboter, der blind gehorcht. Lieber ab und zu in den „Bau“ als die Gesundheit ruinieren. Aber jetzt laß ich mich schleifen und gar dazu hinreißen, einen frisch zum Unteroffizier Beförderten aus Versehen anzurempeln.

Dieses ganze Pech wird erst richtig peinlich, weil es mir nicht unter uns Bundeswehrkameraden innerhalb der heimischen Kasernenhofmauern passiert – es wäre zu verschmerzen, und ich könnte es später vermeiden, einem Mitgedienten und Zeugen meiner Schmach zu begegnen. Nein, meine Erlebnisse werden einskommasiebenmillionenfach gedruckt und von zig Millionen gelesen.

Ich bin nämlich gar nicht bei der Bundeswehr, sondern parsifalischer, traurig anrührender Held des neuesten Romans von Hans Hellmut Kirst: „08/15 heute“. Davon erfuhr ich erst, als ich die Fahnen des neuen Kirst-Opus in die Hände bekam. Es beginnt: „Der Grenadier Recht stieß das Fenster auf und sprang in die Nacht hinein.“

Der Name ist so häufig nicht, daß ich nach zwei Jahren am selben Schreibtisch mit Kirst an einen Zufall glauben wollte. Also traf ich mich mit ihm im Carlton-Teeraum zu München, und er fragte mich: „Ist Ihnen was aufgefallen?“ Mir war, und dann fragte ich und erfuhr, daß Recht zum einen Recht symbolisiere (nicht mich), zum anderen aber nicht ganz zufällig Recht heiße, nach zwei Jahren am selben ...

Schön und gut, aber ich kann mich nirgends mehr blicken lassen. Meine Bekannten zeigen mit dem Finger auf mich. So geht’s einem, der zu Lebzeiten in die Literatur eingeht, nur weil er so heißt. Deshalb wollte ich nur sagen: ich an Martin Rechts Stelle, und der Roman von Kirst wäre anders verlaufen. Und: jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen ist rein zufällig. Ob sie nun Recht heißen oder Hauptmann Ahlers (der kommt auch vor). Klaus Recht