Nicht nur Gemüse und Obst hat uns die Natur in diesem Jahr reichlich beschert. Auch Kartoffeln werden nun – übrigens auch in allen Ländern Westeuropas – wieder im Überfluß angeboten werden. Der Zentralverband des deutschen Kartoffelhandels rechnet jedenfalls mit einer sehr guten Ernte von etwa 22,5 bis 23,5 Millionen Tonnen. Damit bleibt das Ergebnis zwar unter der Rekordernte von 25 Mill. t des Vorjahres, aber der Erntesegen ist immerhin wieder so groß, daß sich die Beteiligten große Sorgen um den Absatz machen.

Nun wird verkündet, daß die Erdäpfel für den Verbraucher um etwa ein Viertel billiger sein werden als im Vorjahr. Die Erzeuger sollen sich mit Erlösen von durchschnittlich 4 DM pro Zentner zufrieden geben, und die Konsumenten nicht mehr als 8 bis 10 DM dafür je nach Qualität zahlen. Wenn das keine Tendenzmeldung ist, mit der die Händler die Erzeugerpreise heruntersprechen, kann sich die Hausfrau also freuen; jedenfalls wenn sie an der alten und guten Sitte des Einkellerns festhält. Denn Pfundware ist nicht unerheblich teurer.

Weshalb erwartet man niedrigere Preise trotz einer geringeren Ernte? Nicht zuletzt, weil de menschliche Kartoffel-Verzehr immer mehr zu rückgeht. Wurden 1952 noch 150 Kilogramm je Person konsumiert, waren es im vergangen Jan nur noch 130 kg. Nur etwa ein Drittel der Ernte rd. 7 Mill. t, wandert in den Magen der 5,8 Millionen Bundesbürger. Von den übrigen zwei Drit teln bekommt das „liebe Vieh“ (insbesondere die Schweine) mit 11. Mill. t den Löwenanteil. Etw eine Million kauft die Industrie (Stärkefabriken Brennereien), während rund 2 Mill. t als Pflanz kartoffeln der neuen Ernte dienen. Der Rest ist Schwund.

Was bleibt zu tun, wenn bei einem Volksnah rungsmittel der Absatz immer weiter zurück geht? Veredelung ist hier wie überall die Devise Die Industrie hat das, wenn auch langsam, er kannt. Chips, Klöße und Püree erobern sich neu Märkte. Auch im Rohzustand hat die Kartoffe noch ihre Marktchancen. Mit ansprechender Werbung, der Beschränkung des Anbaus auf wenig gute Sorten, der Betonung der Preisvorteile beim Großeinkauf und Einkellern (frei Haus) ließi sich ein Slogan „Kartoffeln gehören im Herbst in den Keller, und im Winter auf den Tisch“ zum Erfolg führen. W. W.