Die De Twentsche Bank N. V., Amsterdam, hat im Juni 1963 einen Investmentfonds für Goldminenwerte aufgelegt. In diesen Tagen hat auch der Verkauf der Zertifikate in der Bundesrepublik begonnen, so daß es an der Zeit ist, meine verehrten Leser, über diesen Fonds einige Worte zu sagen.

In mehreren Gesprächen haben wir uns über die im Gange befindliche Spekulation hinsichtlich einer möglichen Erhöhung des Goldpreises unterhalten, und zwar im Zusammenhang mit einer Abwertung des Dollars. Es ist hier nicht der Platz, dieses Problem in aller Ausführlichkeit noch einmal aufzurollen. Wer Gold aus Spekulationsgründen erwirbt, muß sich aber zwangsläufig darauf einstellen, daß er noch mehrere Jahre zu warten hat, bis die Parität des Goldes zum Dollar verändert wird. Vielleicht geht seine Rechnung überhaupt nicht auf.

Aber ist deshalb die Anlage in Goldminen bereits ein schlechtes Geschäft? Das braucht es keineswegs zu sein. Zunächst können wir als sicher voraussetzen, daß der Goldpreis zumindest nicht sinken wird. Der Bedarf ist ausreichend. Der Absatz der gesamten Goldproduktion ist mehr als gesichert. Die Goldminen haben keine Absatzsorgen, zumal sie ein Produkt anbieten, das den Preisanstieg der letzten Jahre nicht mitgemacht hat, in Wahrheit also unterbewertet wird.

Die Tatsache, daß die Goldminen ihre „Ware“ seit Jahren zu festen Preisen verkaufen müssen, hat bei den Bergwerksgesellschaften natürlich Rentabilitätsprobleme aufgeworfen, die sie bisher jedoch mit einiger Energie zufriedenstellend lösen konnten. Nicht zuletzt deshalb, weil sie in der Lage waren, auf billige Arbeitskräfte zurückgreifen zu können.

Von der gesamten Golderzeugung außerhalb der Sowjetunion stammen gegenwärtig zwei Drittel aus Südafrika, das seit 1945 seine Goldproduktion von 11,9 Millionen Feinunzen auf 25,5 Millionen Feinunzen erhöht hat. Das war einmal durch bessere technische Methoden möglich, zum anderen aber auch deshalb, weil 1946 neue Goldvorkommen entdeckt worden sind. Da die neuen Minen ihre volle Produktion noch nicht erreicht haben, werden fortlaufend Rekorde erzielt. Eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit führt naturgemäß zu einer Verkürzung der Lebensdauer einer Mine. Aber ist in Südafrika die schnelle Ausbeutung ein Nachteil?

Mit dieser Frage sind wir bereits, meine verehrten Leser, bei dem Risiko, das heute in dem Besitz südafrikanischer Goldminen-Aktien steckt. Wirtschaftlich ist bei ihnen alles in Ordnung, aber nicht übersehbar ist das politische Risiko! Wie lange kann sich die jetzige Regierung in Südafrika noch halten? Werden die Weißen dort – wie überall in Afrika – dem Druck der schwarzen Rasse weichen müssen? Es ist nur schwer vorstellbar, daß nach allem, was dort geschehen ist, ein friedliches Nebeneinander von Weiß und Schwarz noch möglich sein kann. Der nüchterne Käufer von Goldminen-Aktien wird sich deshalb fragen müssen, wie lange die Goldminen in Südafrika noch ungestört arbeiten werden und ob diese Zeit ausreicht, das jetzt einzusetzende Kapital und seine Zinsen zu verdienen. Ob sich das politische Risiko durch die reichlichen Reserven der im Fonds enthaltenen Goldminen-Gesellschaften vermindert, ist schwer zu sagen. Das würde wohl nur dann der Fall sein, wenn ein Teil des Gesellschaftsvermögens außerhalb der Südafrikanischen Union angelegt worden ist.

Der Fonds erzielt nach seinen Angaben in seiner heutigen Form eine Rendite von 5 1/2 bis 6 %. In seinem Prospekt heißt es „Vorbehaltlich unvorhergesehener Umstände ist anzunehmen, daß die Ausschüttungen in den kommenden Jahren wegen der zu erwartenden höheren Dividenden der neuen Minen nicht unbeträchtlich steigen werden“. Die Anteile des Fonds „Goldmines“, die an der Amsterdamer Börse offiziell notiert werden, wurden am 13. Juni 1963 erstmals zum Preise von hfl 540,36 ausgegeben. In diesen Tagen erreichten sie einen Preis von hfl 587.