Von Willy Hochkeppel

Heutzutage kennen die Philosophen die Welt nicht mehr nur aus Büchern. Vom großen Reisefieber gepackt, fliegen sie von Podium zu Podium und bieten, in vielen Zungen redend, ihre Theorien und Abstraktionen auf dem internationalen Markt der Philosophie an.

Die Schauplätze ihrer großen meetings sind mit erlesenem Geschmack ausgesucht. Sie trafen sich in Brüssel, Venedig und Honolulu – dort im Jahre 1957 – und in diesem Jahre, vom 7. bis zum 14. September, kam man in Mexiko zusammen.

Natürlich tagt man nicht in Honolulu oder Mexiko, weils sich’s dort besser denkt. Ganz andere Motive spielen hier mit.

Für die Mexikaner zum Beispiel schien es sicherlich erstrebenswert, die erlauchtesten Denker der Welt auch einmal in ihrem Lande versammelt zu sehen. Und die europäischen Philosophen insbesondere schwärmten wahrscheinlich vom heißen Pflaster Mexikos, von altspanischen Kirchen, von Gitarrenklängen und vielleicht – auch Philosophen sind Menschen – von dunkeläugigen Senoritas.

Aber ich glaube, da werden sie ein wenig enttäuscht worden sein. Für derartige Idyllen, für derartige Träumereien ist in Mexiko kein Platz mehr. Mexico City ist eine Großstadt wie viele andere auch, vielleicht etwas lauter, vielleicht etwas greller und sicher von schärferen ästhetischen und sozialen Widersprüchen bestimmt als andere Weltstädte.