Von Ernst Heinrich Kunze

Im Dezember 1962 hat das Joint Economic Committee des amerikanischen Kongresses einen Bericht veröffentlicht, in dem Empfehlungen für die Beseitigung der Zahlungsbilanz-Schwierigkeiten der USA gegeben wurden. An erster Stelle wurde dabei vorgeschlagen, daß die Vereinigten Staaten von ihren westeuropäischen Verbündeten eine höhere Beteiligung an den Kosten der gemeinsamen Verteidigung und der Entwicklungshilfe fordern sollten. Die bisherigen Bemühungen Washingtons in dieser Richtung seien nicht befriedigend gewesen.

In dem im Frühjahr 1963 vorgelegten Bericht des Clay-Ausschusses, den Präsident Kennedy zur Überprüfung der amerikanischen Entwicklungspolitik eingesetzt hatte, wird gesagt, daß die übrigen Industrieländer der westlichen Welt und Japan sich nicht in fairer Weise an der Unterstützung der Entwicklungsländer beteiligten, und diese Tatsache bereite insbesondere im Hinblick auf die Zahlungsbilanz der USA große Sorge. Auch im Clay-Bericht werden deshalb von Westeuropa und Japan höhere Leistungen für die Entwicklungshilfe gefordert.

Diese beiden Reports sind kennzeichnend für zahlreiche weitere Äußerungen politischer und wirtschaftlicher Kreise, denen gemeinsam ist, daß die Leistungen anderer Länder für die Entwicklungshilfe im Verhältnis zu denen der Vereinigten Staaten als ungenügend bezeichnet werden, und daß man die bisherige Belastung der amerikanischen Devisenbilanz durch die Entwicklungshilfe in erheblichem Umfang für das bedrohliche Zahlungsbilanzdefizit verantwortlich macht. Diese Ansichten; finden in der amerikanischen Öffentlichkeit verständlicherweise starken Widerhall, und die amerikanische Regierung kann, wenn sie von den anderen Industriestaaten eine höhere Beteiligung an der Hilfe für Entwicklungsländer fordert, auf den politischen Druck verweisen, dem sie in dieser Angelegenheit im eigenen Lande ausgesetzt ist.

Nach dem Jahresbericht für 1962 des Development Assistance Committee (DAC), haben die Vereinigten Staaten mit 4,52 Mrd. $ rund 54 % der von den westlichen Ländern einschließlich Japan erbrachten Leistungen für die Entwicklungsländer übernommen. Auch in den vorhergehenden Jahren war das Verhältnis ähnlich. Das ist ohne Zweifel eine eindrucksvolle Leistung der USA. Die Beträge der europäischen Länder nehmen sich dagegen sehr bescheiden aus.

Die Gesamtsumme der Leistungen ist allerdings von 8,65 Mrd. $ im Jahre 1961 auf 8,40 Mrd. $ im Jahre 1962 zurückgegangen. Die hier genannten Zahlen stellen aber die tatsächlichen Auszahlungen dar, die durch manche Sonderfaktoren nach oben oder unten beeinflußt werden können. Dies gilt zum Beispiel für die Leistungen der Bundesrepublik, bei denen ein Rückgang von 800 auf 681 Mill. $ ausgewiesen wird.

Das ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die Deutsche Bundesbank im Jahre 1961 Obligationen der Weltbank im Betrage von 212 Mill. $ übernommen hatte, und nach den Bestimmungen des DAC ist auch die Hingabe von Mitteln für die Entwicklungshilfe über die Weltbank und andere sogenannte multilaterale Stellen (wie Internationale Finanzkorporation, Internationale Entwicklungsorganisation, Interamerikanische Entwicklungsbank, Organisation der amerikanischen Staaten, EWG-Entwicklungsfonds, UN) als Beitrag zur Entwicklungshilfe anzurechnen.