Bei den Bausparkassen hat sich in den letzten Jahren ein besonderer „Bodensatz“ gebildet. Gemeint sind damit jene Bausparer, die zwar bereits „zugeteilt“ sind, auf die Inanspruchnahme eines Bauspardarlehens jedoch zumindest vorübergehend verzichten. Das auf diese Weise neutralisierte Geschäftsvolumen umfaßte bei den 16 privaten Bausparkassen Ende 1962 fast 137 000 Verträge über eine Bausparsumme von 2,13 Mrd. DM. Bei den öffentlichen Bausparkassen, die den Begriff „Fortsetzer“ nicht kennen, waren es zum gleichen Zeitpunkt schätzungsweise 100 000 Verträge mit einer Vertragssumme von etwa 1,5 Mrd. DM, die nicht in Anspruch genommen werden.

Die Fortsetzer rückten dieser Tage durch eine Meldung des Instituts für Städtebau, Wohnungswirtschaft und Bausparwesen in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Das den privaten Bausparkassen nahestehende Institut teilte nämlich mit, daß die Zahl der fortgesetzten Verträge bei den privaten Bausparkassen im vergangenen Jahr um annähernd 28 % gestiegen ist. Die durchschnittliche Bausparsumme der fortgesetzten Verträge ist mit knapp 15 600 DM vergleichsweise niedrig. Das Institut zieht daraus den Schluß, „daß es vor allem die Inhaber kleinerer Bausparverträge, also die Unselbständigen, sind, denen die der Durchführung der Bauvorhaben entgegenstehenden Hemmnisse besondere Schwierigkeiten bereiten“.

Daß kleinere Bausparer von den heutigen Bau- und Grundstückspreisen vielfach überfordert werden, ist hinlänglich bekannt. Zweifelhaft ist jedoch, ob dies gerade 1962 so stark „durchschlug“, daß sich die Zahl der Fortsetzer sprunghaft erhöhte. Diese Frage ist um so berechtigter, als die Masse der Bausparer – und dies gilt erst recht wohl für die kleineren Einkommensbezieher – bekanntlich auf dem „flachen Lande“, also dort zu Hause ist, wo sowohl der Grundstücks- als auch der Baumarkt noch sehr viel elastischer ist. Auch der Hinweis auf die niedrige Durchschnittssumme ist nicht unbedingt stichhaltig. Sie hängt zu einem großen Teil sicher auch damit zusammen, daß in dieser Gruppe die Steuersparer – ausgesprochene Steuersparer bevorzugen nämlich kleine Verträge – zu suchen sind, die lediglich auf den Ablauf der Sperrfristen warten. Steuersparer sind Leute, die einen Bausparvertrag allein zu dem Zweck abschließen, um von den steuerlichen Vergünstigungen zu profitieren bzw. die Bausparprämien zu kassieren. Ihre genaue Zahl läßt sich natürlich nicht genau ermitteln, weil sich die Betroffenen über ihre Motive ausschweigen. Im übrigen ist das aber ein Thema, das die Bausparkassen nur ungern erörtern, weil die Steuersparer in der Diskussion über die Einschränkung der Bausparförderung eine bedeutsame Rolle spielen. Daß es Steuersparer gibt, wird wohl niemand leugnen können. Aber ist ihr Vorhandensein eine Rechtfertigung für den Abbau der Steuerbegünstigungen beim Bausparen? Die Bausparkassen meinen selbstverständlich nein und untermauern ihren Standpunkt mit dem Hinweis, daß auch die Steuersparer ihre Guthaben oft für wohnungswirtschaftliche Zwecke verwenden (wie Baukostenzuschüsse).

Für die Bausparkassen – und damit zwangsläufig auch für die Bausparer – sind die Fortsetzer insofern von Vorteil, als sie den Kassen billiges Fremdgeld überlassen, mit der Folge, daß bauwillige Sparer rasch nachrücken und sich auf die Gesamtheit der Bausparer die Wartezeiten verkürzen. Mittelbar haben also die Fortsetzer großen Anteil daran, daß die Bausparkassen im Zwischenkreditgeschäft heute überaus elastisch sind. Die auf diese Weise neutralisierte Bausparsumme bildet nämlich einen willkommenen Bodensatz an liquiden Mitteln, für den sich die Bausparkassen wohl kaum eine bessere Verwendung als für Zwischenkredite denken können. H. H.