SÜDDEUTSCHER RUNDFUNK

Sonnabend, 21. September, das „Nachtkabareft“:

Hier endlich wurde demonstriert, wodurch sich ein „Nachtkabarett“ von einem popeligen Normalkabarett ohne Tageszeitangabe unterscheidet: Es spielt Sandmännchen und dient der Nachtruhe. Einschläfernde Texte wurden auch nicht lebendiger durch die talentierte Stimme der Elfie Pertramer, die diesen sogenannten Brettl-Cocktail im Alleingang mit einer Tanzmusickapelle „mixte und servierte“. Mit einem beachtlichen Kalauer-Sortiment handelte sie die ergrauten Pflichtthemen ab: Sex-Sekretärin, Breitwandfilm, Haushalts-Allzweckgerät, Ganghofer-Parodie, Leiden der „Hottwoleh“ und den Rührsong über irgendein entlaufenes Tier.

Daß sie Karl Valentin beschwor, wird man ihr verzeihen müssen; er ist unter halbwegs informierten Leuten viel zu bekannt, als daß es ihm schaden könnte. Nur einmal besiegte der Ärger über eine Geschmacklosigkeit die Lethargie: als sie der noch nicht so lange durch Selbstmord umgekommenen Filmdiva Marilyn Monroe in den Sarg nachjubelte: „Dubadudu, das war für mich“ kein Leben.“ Gewiß, auch über den Tod sind Späße erlaubt. Aber nur der Satire und nicht der Albernheit. O. K.