Wenn das Gerücht stimmt, dann haben vor Jahren nicht die Politiker, sondern die Kameramänner den Hexenjäger McCarthy vernichtet. Listige Operateure, so heißt das on dit, hätten den mächtigen Mann zu Boden gestreckt, indem sie ihn mit böser Konsequenz grundsätzlich wie einen Wildwestfilm-Schurken ausleuchten ließen: grell und von scharfen Schatten verzerrt, Bei Minister Höcherl wären dergleichen Tricks nicht vonnöten gewesen – der Arme, so steht zu befürchten, hätte sich selber gerichtet. Von These zu These taumelnd, bewies er aufs neue die Gefährlichkeit des oft zitierten „ein bißchen“.

Das Fernsehen ist gnadenlos; wer vertuscht, kommt nicht an; wer wunde Punkte übergeht, wird entlarvt; wer sich entschuldigt, klagt sich an. Beflissenheit und Einfalt sind in gleicher Weise verderblich; es scheint unmöglich, im Scheinwerferlicht drauflos zu erzählen ... die Lampen bringen alles an den Tag. (Hitler in Großaufnahme, das talgige Haar, die Poren, der Speichel am Mund, die Falten aus Haß ... wer weiß, ob da der einzelne, im Sessel beim Bier, nicht doch aufgemerkt hätte?) Ja, klare Konturen können recht segensreich sein, sie lassen kein Verwischen zu. Ein bißchen Versteckspiel, wird immer wieder bewiesen, ist so unmöglich wie ein bißchen schwanger und ein bißchen außerhalb der Legalität. Ja oder nein. Die Wahrheit oder die Lüge.

Ansonsten war wenig zu sehen; zu „Stahlnetz“ und dem „Sunset Boulevard“ hat sich „Inspektor Fabian“ von Scotland Yard gesellt. Dabei bemerkt man, daß die Nationen in den Detektiven offenbar ihre spezifischen Charaktereigenschaften versammeln: Der deutsche Kommissar ist sparsam, ärmlich bezahlt, aber nobel, mannschaftsdienlich und ein wenig sentimental, ebenso fleißig wie ungenial. Der Amerikaner erscheint als witzig, trocken, faustgewandt und clever: durchaus kein Beamter, sondern der Polizei eher feindlich gesonnen. (Ganz anders bei uns: unmöglich, daß ein Privatdetektiv mehr als ein Polizeimeister wüßte...) Der englische Inspektor schließlich ist so nüchtern wie sein deutscher und so ingeniös wie sein amerikanischer Kollege: ein pfeifenrauchender Hercule Poirot, der Scotland Yards Labors und Wundermikroskopen nicht anders als seinen kleinen grauen Zellen vertraut. Vereinte man alle drei Typen in der Retorte, es käme der Sherlock Holmes unserer Tage heraus, ein Mann mit einem Stahlnetz-Herzen, einer Sunset-Faust und einem Fabian-Hirn...

Von nationaler Eigenart war auch in einem alten Film, der Englischen Heirat, die Rede. Renate Müller machte als Berliner Heimchen die britischen Vorurteile gegenüber den Deutschen zunichte („solche Mädels wie mich gibt es noch mehr in Berlin“); Georg Alexander erwies sich als insularer Schlappier; Wohlbrück und die Hildebrand gaben sich jung und verwegen; Adele Sandrock aber, mit Nachthaube, Whisky und Times, war eine Klasse für sich: so konnte nur noch Jannings am Frühstückstisch sitzen. Momos