W. K. München

Da gestrengen Ordnungshüter der Münchner Polizei kennen kaum Pardon, wenn es gilt, einen straffälligen Verkehrssünder zu fassen. Dieser Tage geschah in der bayerischen Landeshauptstadt folgendes: da sollte ein in München verstorbener Würzburger mit einem Leichenwagen in seine Heimatstadt übergeführt werden. Der Bruder des Verblichenen saß neben dem Fahrer, als der Wagen auf dem Rückweg im Stadtgebiet Münchens von einem Polizeibeamten angehalten wurde.

„Das Nummernschild des Wagens ist verschmutzt und das Stopplicht hat einen Sprung“, rasselte der Beamte. Der Bruder des Verstorbenen empfand eine derartige Beanstandung unter den gegebenen Umständen als „Schikane“ und wies daraufhin, daß man immerhin bereits 300 Kilometer auf schlechten Straßen bei ebenso schlechtem Wetter gefahren sei.

Es kam zu einem Wortwechsel. Der Ordnungshüter meinte barsch: „Wenn Sie mir so kommen, dann steigen Sie jetzt erstmal aus und wir machen mit dem Wagen eine Bremsprobe Begreiflich, daß der Fahrer das einigermaßen verwunderliche Ersuchen unter Hinweis auf den im Wageninnern stehenden Sarg ablehnte. Die wenig pietätvolle Szene endete schließlich mit der Ankündigung einer Strafanzeige. Dann durfte der Tote nach Würzburg gefahren werden.

Der Bruder des Verstorbenen erzählte das zu Hause einem Zeitungsmann. Das Schweinfurter Tagblatt fragte dann: „Gewiß, diese Episode war nur ein Einzelfall. Aber stimmt es nicht doch ein wenig bedenklich, wenn es – schon wieder – Leute gibt, die glauben, vor einer Uniform müßte sogar der Tod strammstehen?“

Seit den Schwabinger Krawallen ist es um das Verhältnis zwischen Ordnungshütern und Behüteten durchaus nicht zum besten bestellt. Die Polizisten weigern sich, Namens- oder Nummernschilder am Rock zu tragen und verbergen sie sich weiterhin hinter der uniformen Anonymität. Die Visitenkarten, die Münchens Polizeipräsident einmal vor Jahren für seine Beamten drucken ließ, scheinen ausgegangen zu sein – jedenfalls bekommt man sie nicht mehr überreicht, wenn man nach ihnen fragt. Die Folgen zeigten die Prozesse, die eine „Interessengemeinschaft zur Wahrung der Bürgerrechte“ nach den Schwabinger Zusammenstößen gegen Polizeibeamte einleitete: 79 Verfahren wurden eingestellt, weil die Namen der Beamten nicht ermittelt werden konnten.

Im kommenden Jahr soll nun alles besser werden: der Retter der Polizei-Ehre naht in Gestalt eines Psychologen. Am 1. Januar soll er seinen Dienst antreten und sich „um die Pflege des Betriebsklimas“ kümmern.