Beinahe eine halbe Million DM, 450 000 genau, stellten der Bund und die vier Küstenländer für eine Enquete über die Lage in der deutschen Werftindustrie zur Verfügung. Sie soll in diesem Herbst fertiggestellt werden und den Ländern und der Bundesregierung Anhaltspunkte für die Maßnahmen liefern, die für die Werftindustrie zu treffen sind.

Es ist kaum anzunehmen, daß diese Enquete, wie vorgesehen, Ende Oktober fertiggestellt ist. Die Enquete darf schließlich nicht nur eine betriebswirtschaftliche Untersuchung sein, wie sie von Treuhandgesellschaften für Auftraggeber angefertigt werden. Voraussetzen sollte man einen betriebstechnischen, einen betriebswirtschaftlichen und einen volkswirtschaftlichen Teil.

Welche Unterlagen stehen dem Bundeswirtschaftsministerium mit seinem für diese Aufgabe zuständigen Beamten Dr. Baudisch nun zur Verfügung? Die Öffentlichkeit hat darüber und über die mit der Enquete beauftragten Personen bisher nichts erfahren. Ob diese Verschwiegenheit notwendig ist?

Schließlich beschäftigt man sich in Werftkreisen an der deutschen Küste augenblicklich mit den Zahlen für einen neuen Kreditplafond in einer Höhe von rund 600 Millionen DM. Um den deutschen Werften in dem internationalen Kampf um Aufträge das Rennen ein wenig zu erleichtern, erwartet man von der öffentlichen Hand Zinssubventionen in einer Größenordnung zwischen 10 und 15 Millionen. Gerade für die Untermauerung dieser Wünsche wäre die Enquete von großem Nutzen. Es erscheint deshalb unverständlich, weshalb sich die Werften selbst so wenig interessiert an dieser Untersuchung zeigen.

Die Unternehmen verweisen in diesem Zusammenhang immer wieder auf eine nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen vorgenommenen Untersuchung der Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage der deutschen Seeschiffswerften, die in ihrem Auftrage von der Deutschen Revisions- und Treuhand-Gesellschaft „Treuarbeit“ und der Rheinisch-Westfälischen Revisions-„Treuhand“ AG. vorgenommen wurde. Neun Werften mit 54 000 Arbeitnehmern waren in diese Untersuchung einbezogen. Das entsprach einer Repräsentation von etwa 83 % aller 22 deutschen Seeschiffswerften.

Die Analyse sollte insbesondere das Schiffsneu- und das Umbaugeschäft erfassen und die voraussichtlichen Auswirkungen sichtbar machen, die sich aus den Auftragsbeständen auf die zukünftige Gestaltung der Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage ergeben.

Doch die Untersuchung der beiden Treuhandgesellschaften für die jetzige und zukünftige Lage der Werftindustrie ist bereits überholt: In den drei Jahren 1959 bis 1961 erzielten die neun untersuchten Werften im Jahresdurchschnitt einen Umsatz von rund 1649 Millionen DM; davon kamen auf Schiffsneu- und -umbauten 83,7 %, auf Schiffsreparaturen 10,1 % und die sonstige Fertigung 6,2 %. Kein Vertreter der Werftindustrie wird für 1963 behaupten wollen, daß diese Prozentsätze noch zutreffend sind. Schlußfolgerungen für die Zukunft sind also mit veralteten Zahlen kaum möglich. Auch sonst waren die Untersuchungen recht theoretisch. Die Treuhandgesellschaften legten den Durchschnittsumsatz von 1959 bis 1961 zugrunde und errechneten daraus für die Jahre 1962 bis 1965 einen Auftragsfehlbestand von rund 2755 Mill. DM. Würde dieser Fehlbestand nur zu den Konditionen der Jahre 1960 bis 1961 hereingenommen – so folgerte man haarscharf –, würden bei der Komplettierung des Auftragsbestandes auf die oben genannte Menge Verluste von rund 314 Mill. DM entstehen. Ob diese Zahlen heute noch zutreffen?