Das eigentliche Stimulans im Leben des Manschen ist die Freude von Morgen.

Anton Semenorwic Makarenko

Ecclesia militans

Von 150 Polizeibeamten war am 24. September, dem Tag der Schweizer Erstaufführung von Hochhuths „Stellvertreter“, das Stadttheater Basel umgeben. Die Zahl der beim Theater, dem Intendanten und den Schauspielern eingegangenen Drohbriefe war nicht minder stattlich gewesen. Die eindrucksvollste Unterstreichung der „christlichen“ Forderungen, das Stück abzusetzen, war die Drohung gewesen, das Theater in die Luft zu sprengen.

Münchner Theaterskandal

Die Wogen waren hochgegangen, als Walther Kiaulehn und Kurt Meisel (wie berichtet) einander über dem Thema Oberspielleiter Meisel in die Haare geraten waren. Wobei Meisel erst unfreiwillig den Kürzeren zog, als er mit dem Dreschflegel gegen Kiaulehns Florett zu knüppeln versuchte, und dann freiwillig, als er sich mit Kiaulehn nicht in einer Fernsehdiskussion messen wollte. Obwohl als Sieger aus dem forensischen Streit hervorgegangen, entschloß sich der Kritiker Kiaulehn, Öl auf die Wogen zu gießen und nach dem Personen-Hickhack wieder aufs Problem hinzuweisen. Kiaulehns weiser Rat: „Unsere Bühnen dürfen nicht mehr auf Gedeih und Verderb von dem Typ des Aktentaschenschauspielers abhängig sein, der vor lauter Terminen nicht mehr weiß, ob er jetzt eben noch im Fernsehen, beim Rundfunk oder Film etwas aufsagt oder ob er schon wieder auf der richtigen Bühne steht. Es ist hohe Zeit, daß der reine Schauspieler wieder zu Ehren kommt, dem der Dichter die Sehnsucht der Zeit offenbart. Es ist ein harter Weg bis dahin. Doch es ist der einzige Weg, den es gibt, und wer ihn nicht gehen will, wird mitschuldig sein am Tod des Theaters.“

Babs Nachlaß