FÜR fortgeschrittene Kunstfreunde, die sich über Klee und Kandinsky hinaus bis zu action painting und informel vorgearbeitet haben und nun gern wissen möchten, nicht was die Experten, sondern was die Maler selbst darüber zu sagen haben –

Jürgen Claus: „Theorien zeitgenössischer Maler“; rowohlts deutsche enzyklopädie, Rowohlt Verlag, Reinbek; 158 S., 2,20 DM.

ES ENTHÄLT Texte der Maler, die das Informell erfunden und ausgebildet haben, wie Pollock, Wols, Michaux, Serban, Tobey, Mathieu, Vedova, Dubuffet, Tàpies. Dazu als „Beitrag der Älteren“ Duchamp, Masson und Baumeister. Den Selbstzeugnissen sind knappe und fundierte Kommentare von Jürgen Claus vorangestellt.

ES GEFÄLLT, weil es nicht als Apologie dieser speziellen Richtung gemeint ist, sondern dem Leser das Material in die Hand gibt, sich eine eigene Meinung zu bilden, vor allem über die Kernfrage, die den Betrachter informeller Malerei beschäftigt und beunruhigt, ob nämlich diese Malerei in der Lage ist, eine Wirklichkeit zu erfassen. Die meisten der ausgewählten Texte waren dem deutschen Leser •bisher unerreichbar. Sie sind nach sachlichen Gesichtspunkten, nicht chronologisch, in sechs Kapiteln geordnet: „Malerei als Ablauf“, „Inkarnation des Zeichens“, „Das dubiose Modell“ und so weiter. Zwei Textproben: „Wenn es darum geht, sich eine neue Sicht der Wirklichkeit zu bilden, wenn es gilt, der Dunkelheit, die uns umgibt, allmählich Boden abzugewinnen, können wir uns nicht mehr damit begnügen, überholten Formen nachzugehen“ (Tàpies), und einen Satz von Mathieu: „Die Malerei ist keine spanische Schenke, wo jeder sein Essen mitbringt.“ g. s.