Angefangen hat es mit Ärger. Sir Hugh Beaver, der geschäftsführende Leiter der Guinness Brauerei in Dublin, suchte in einem Lexikon Antwort auf die Frage, welches der schnellste Vogel sei. Er fand sie nicht, ja er stellte fest, daß kein Lexikon Auskunft darüber gibt, wie der größte Mensch hieß, welches die längste Schlange ist, wo das größte Hotel steht oder wer das meiste Holz gefällt hat. So bleiben die meisten Streitfragen an den Biertischen in den 95 000 Kneipen auf den Britischen Inseln unbeantwortet, und das ist – nicht zuletzt aus der Perspektive des Bierbrauers gesehen – bedauerlich, meinte Sir Hugh. Darum beauftragte er die Brüder Norris und Ross McWhirter, ein Buch der Superlative zusammenzustellen.

Das war im Jahre 1954. Im Herbst 1955 erschien die Sammlung, und seitdem mangelt es den Guinness-Stout-Trinkern in Britanniens Wirtshäusern nicht mehr an Gesprächsstoff. Sechshundertausend Exemplare des Buches wurden inzwischen verkauft, über eine halbe Million britischer Familien wissen es jetzt genau: die größte Anzahl Kinder, die je von einer Mutter zur Welt gebracht wurde, war 69 – und das in nur 27 Niederkünften. Den längsten Brief – 975 Meter lang – schrieb Fräulein Louise Gardon aus New York 1954 an ihren Liebsten in Korea, das erste Kreuzworträtsel stand am 21. Dezember 1916 in der New York World – wer hätte das gedacht?

All das ist nun auch in deutscher Sprache zu lesen, in der für deutsche Verhältnisse speziell erweiterten – manchmal allzu wörtlichen – Übersetzung

„Rekorde, Rekorde, Rekorde“, Superlative aus allen Wissensgebieten, bearbeitet von Norris und Ross McWhirter; Verlag Carl Ueberreuter, Wien; 256 S., 14,80 DM.

Nicht belehren will dieses Buch, sondern – laut Klappentext – unterhalten. Kinder und Stammtischler lieben diese Art der Unterhaltung besonders, und so leicht kommt wohl niemand mehr von dem Rekord-Katalog los. Manches bleibt haften: Doktor Spöcks Baby- und Kinderpflegebuch rangiert in der universalen Bestsellerliste der Bücher auf dem zweiten Platz, gleich hinter der Bibel und noch vor dem Roman mit dem größten Verkaufserfolg (11 Millionen Exemplare): „Peyton Place“ von Grace Metalious. Die längste Predigt dauerte 48 Stunden und 18 Minuten, und im vergangenen Herbst verschlang George Barham aus Ipswich in England 48 rohe Eier in 108 Sekunden. ow