In der „New York Herald Tribune“ (Nr. 25 094) fragt Arnold Toynbee, was geschehen würde, wenn Deutschland wiedervereinigt wäre. Er beantwortet selber die Frage: Rußland, Polen und die Tschechoslowakei würden von Furcht davor befallen werden, daß die Deutschen ihre Augen auf Ost- und Westpreußen, Ostpommern, Schlesien und das Sudetenland richten. Die Sowjetunion würde in die Wiedervereinigung nur willigen, wenn die Vereinigten Staaten eine Bürgschaft für die gegenwärtige Grenzführung übernähmen. Die Sowjets müßten nicht nur auf die Aufrichtigkeit, sondern auch auf die Wirksamkeit dieser Bürgschaft vertrauen können.

Aber auch westliche Staaten würden sich vor dem größeren Deutschland fürchten. Selbst wenn Deutschland auf Elsaß-Lothringen aufrichtig und für die Dauer verzichten sollte, so würde doch die Sorge vor einer deutschen Vorherrschaft in Europa bleiben. Die entscheidende Frage sei, wie das deutsche Volk sich in einer solchen Lage verhalten würde. Bismarck, so meint Toynbee, würde seine Energien auf die Vereinigung des Gebietes bis zur Oder beschränken, er würde den notwendigen Preis für die Wiedervereinigung bezahlen. Aber, mit dieser Frage schließt Toynbee, wo ist am Horizont des heutigen Deutschlands ein Staatsmann vom Range Bismarcks zu erblicken?