Von Wolfgang Krüger

Pfiffe mischten sich in den Willkommensapplaus, als, zum letzten Male in dieser Eigenschaft, Bundeskanzler Dr. Adenauer das Wort auf einer Massenkundgebung der deutschen Landwirtschaft ergriff. Er würdigte die gesellschaftspolitische Bedeutung des Bauernstandes und versicherte seinen aus allen Teilen der Bundesrepublik zum „Deutschen Bauerntag 1963“ nach Hamburg zusammengeströmten Zuhörern, daß es, angesichts der Spannungen in der Welt, „die Lebensaufgabe jeder Bundesregierung“ sei, die Agrarerzeugung gesund und kräftig zu erhalten.

Der Kanzler sprach auch noch von einer anderen Aufgabe, vor die, nach seinem Ausscheiden aus dem Amt, die Bundesregierung gestellt ist. Er sprach von der Notwendigkeit des immer engeren Zusammenwachsens der Völker der freien Welt im Rahmen der europäischen und der atlantischen Gemeinschaft. Er sagte jedoch nichts darüber, wie und auf welchen Wegen beide Ziele, die sich im Augenblick noch so hart im Räume stoßen, auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sind.

Die Lösung dieser Aufgabe also ist nun in die Hand seines Nachfolgers gelegt. Prof. Erhard ist um dieses Geschenk, das ihm zu seinem Regierungsantritt als Morgengabe in die Wiege gelegt wird, nicht zu beneiden.

Der Bauerntag in Hamburg verlief, wider Erwarten, ohne größere Zwischenfälle. Noch scheint Bauernpräsident Rehwinkel die berufsständische Vertretung der deutschen Landwirtschaft fest im Griff zu haben. Noch ist es ihm in der riesigen und überfüllten Hamburger Ernst-Merck-Halle gelungen, aufkommenden Unwillen zu dämpfen und Zwischenrufern aus den Reihen der norddeutschen „Notgemeinschaften“ rigoros das Wort abzuschneiden. Erkauft wurde diese sich nach außen noch so geschlossen und diszipliniert gebende Einheit des Deutschen Bauernverbandes aber offenbar mit der Verpflichtung seiner Führung auf einen Kurs, über dessen Härte und Unnachgiebigkeit gegenüber anderen, nichtlandwirtschaftlichen Belangen nun kein Zweifel mehr bestehen kann.

Vornean in dem Aktionsprogramm des Deutschen Bauernverbandes, das Rehwinkel in Hamburg noch einmal und nunmehr „unabdingbar“ auf den Tisch gelegt hat, steht die Forderung nach Preiserhöhungen.

„Preiserhöhungen wie in allen anderen Sparten der Wirtschaft – unter Zurückdrängung bestimmten Einfuhren aus Drittländern, insbesondere aus den Ostblockstaaten, und Anhebung der Preise in den anderen EWG-Ländern auf das deutsche Preisniveau bzw. auf einen Stand, der den tatsächlichen Produktionskosten und einem menschenwürdigen Dasein entspricht.“