Bundesinnenminister Höcherl am 8. November 1962 im Bundestag

Sie erinnern sich noch an den fall des Studienrats Zind in Ortenburg, der verurteilt worden ist... Sie wissen, daß Zind flüchtete und dann in Italien festgenommen wurde, um ihn nach Deutschland zu überstellen, damit er hier seine Strafe verbüßen konnte. Dieses Ersuchen ist ebenfalls nicht über Interpol möglich gewesen, weil Interpol mit seinen drei Ausnahmen die Verfolgung nicht möglich machte. Da gab es – genauso wie hier – den kurzgeschlossenen Verkehr zwischen den Kriminapolizeien ... Offenbar ist hier (Anmerkung der Redaktion: im Falle Ahlers) auch so verfahren worden. Das ist, ich möchte einmal sagen, etwas außerhalb der Legalität,

(Zurufe von der SPD: Aha!)

aber wir alle sind der Meinung, – (Anhaltende Zurufe und Lachen bei der SPD) – Es ist tatsächlich so. Ich weil? nicht, warum Sie lachen, meine Herren. Das ist mir völlig unerklärlich. Ich habe an dem Fall Zind dargestellt, in welchen Schwierigkeiten sich die Regierung befindet, die den Mann zurückhaben will, weil er eine unqualifizierte Beleidigung gegen einen Teil unserer Bevölkerung ausgesprochen hat. Wir haben ihn dann auf dem Polizeiwege festhalten lassen. Leider hat uns im Fall Zind das Auslieferungsgericht nach sechswöchiger Haft nicht recht gegeben ...

Wenn nun die Polizei versucht haben sollte – ich kann das noch nicht verifizieren –, einen Landesverräter vielleicht auch auf diesem kurzgeschlossenen Wege zu bekommen, dann könnte man sagen: Es ist außerhalb der Bestimmungen;

(Zurufe von der SPD)

aber moralische Vorwürfe möchte ich deswegen niemandem machen.

(Beifall bei der CDU/CSU.)