Was sich im Mai, bei den Wahlen in Niedersachsen, schon abgezeichnet hatte, bestätigte sich nun auch in Bremen: An der Popularitätsbörse hat sich der Kurs der CDU wieder gefestigt. Seit der Erbstreit entschieden ist und jedermann weiß, daß Ludwig Erhard die Nachfolge Adenauers antreten wird, darf die CDU wieder hoffen.

Auf den ersten Blick scheint der Erfolg der Christlichen Demokraten in Bremen geradezu sensationell. Sie konnten gegenüber den letzten Bürgerschaftswahlen ihren Stimmenanteil verdoppeln; die SPD aber hatte Mühe, ihren alten Stand zu halten, die FDP verlor fast alle Wähler, die sie bei der letzten Bundestagswahl gewonnen hatte, und die Deutsche Partei schließlich, die 1959 noch ebenso viele Abgeordnete wie die CDU ins Parlament geschickt hatte, kam diesmal eben noch über die Fünf-Prozent-Hürde – und dies auch nur dank freundlicher Nachhilfe der DRP.

Grund zum Jubel also bei der Union? Besser wäre wohl zu sagen: Grund zur Hoffnung. Die CDU in Bremen ist, obwohl sie vom Zerfall der DP profitiert hat, noch immer nur halb so stark wie die SPD. Und gemessen an den letzten Bundestagswahlen hat die CDU sogar weniger zugenommen als die SPD. Dabei haben sich die Sozialdemokraten in Bremen so manche Blöße gegeben.

Für die nächsten Bundestagswahlen lassen sich auf Grund des Bremer Wahlergebnisses keine Prognosen treffen. Keine der beiden großen Parteien hat bisher einen entscheidenden Vorsprung herausgeholt. Und auch in Bremen hat sich wenig verändert. SPD und FDP werden ihre Koalition fortsetzen, die CDU wird weiter die harten Bänke der Opposition drücken. Allerdings gibt es, und das ist ein Novum in der Bürgerschaft, wieder eine starke Oppositionspartei – wenigstens zahlenmäßig. R. Z.