Die deutschen Kohlenverbraucher werden sich ins Unvermeidliche schicken müssen. Für alle Kohlensorten aus den heimischen Revieren gelten ab 1. Oktober höhere Preise. In leichter Abwandlung des Werbeslogans für die festen Brennstoffe konnte es ja schon seit Monaten heißen: die nächste Preiserhöhung kommt bestimmt; mindestens aber lag es seit dem Beginn der Lohnverhandlungen im Bergbau auf der Hand, daß es eine Preiskorrektur bei der Kohle geben würde. Jetzt sind die ersten offiziellen Beschlüsse – bei der Ruhrkohlenverkaufsgesellschaft Präsident – über die Bühne gegangen, und es steht außer Zweifel, daß die übrigen Kohleproduzenten an der Ruhr und in den anderen westdeutschen Revieren unverzüglich folgen werden.

Zum ersten Male seit langen Jahren genehmigt sich der Steinkohlenbergbau wieder eine generelle Preiserhöhung; keine Sorte wird diesmal ausgelassen. Um 2 bis über 5 % gehen die neuen Preise über das bisherige Niveau hinaus: die unterschiedliche Belastung der einzelnen Sorten soll der differenzierten Marktlage gerecht werden. Vor allem wird die Preiserhöhung bei der Hausbrandköhle ins Gewicht fallen, die in der Tat, nicht nur weil der Winter vor der Tür steht, wieder ein begehrter Artikel geworden ist.

Diese Kohlenpreiserhöhung ist in dem Bestreben, den heimischen Bergbau nachhaltig zu sanieren, ganz gewiß nicht gerade das Ei des Kolumbus. Aber sie ist wohl auch kaum zu vermeiden, nachdem die Zechen aus ohnehin weitgehend leeren Taschen eine großzügige Lohn- und Gehaltserhöhung zu zahlen haben, die immerhin einen Mehraufwand von 275 Mill. DM erfordern wird. Knapp die Hälfte davon, glaubt man in Essen, soll über die Preiserhöhung wieder hereingeholt werden; und ganz offensichtlich wird dieser Schritt in Bonn gutgeheißen.

Der Bergbau sieht sich damit in seinen Bemühungen, wieder rentabel zu werden, ein ganzes Stück vorangekommen; nur wenn dabei in Zechenkreisen von einer „marktgerechten Preiskorrektur“ die Rede ist, so ist nicht zu übersehen, daß dieses Argument einfach falsch ist, und zwar deswegen falsch, weil das Angebot durch die bekannten staatlichen Manipulationen künstlich niedrig gehalten wird, zugunsten der heimischen Förderung. Diese Kohlenpreiserhöhung mag nötig sein, um die Zechen aus dem Bereich der roten Zahlen herauszuführen, aber marktgerecht ist sie nicht, weil der Verbraucher nicht die Möglichkeit hat, auf andere billigere Kohle auszuweichen. nmn