Von Bernhard Griesbach

„Auch Nettopreise sind Bruttopreise“ – „Rabattkrieg bei Waschmaschinen“ – „Können Nettopreise die Probleme des Rundfunk- und Fernsehmarktes lösen?“ – „Preiswirrwarr am Fernsehgerätemarkt“ – „Ist der Nettopreis ein Allheilmittel?“ Diese wenigen Schlagworte aus der Fülle der Tagesnachrichten umreißen das Thema, das sich der Verfasser, der dem Bundeskartellamt angehört, in dem folgenden Beitrag gestellt hat. Am Beispiel der Rundfunk- und Fernsehindustrie geht er der Frage nach, welcher Mittel der Preis- und Rabattpolitik sich Handel und Industrie bedienen – und mit welchen Konsequenzen für den Verbraucher.

Vor fast zwei Jahren ist in dieser Zeitung unter dem Titel „Das Phantom der Bruttopreise“ versucht worden, eine Lanze für das Nettopreissystem zu brechen. Seit jener Zeit ist diese Frage nicht mehr aus dem Gespräch gekommen. Praktisch geändert aber hat sich nur wenig. Im Gegenteil, die Dinge haben sich eher noch zugespitzt. Das gilt vor allem für den Markt der Öl- und Elektroofen, der Waschmaschinen, Elektrogeräte, Kühlschränke, Rundfunk- und Fernsehapparate. Bei all diesen Produkten handelt es sich um Erzeugnisse, die einem raschen technischen Fortschritt unterliegen und daher verhältnismäßig schnell veralten. Das wirft sowohl für die Produzenten wie auch für den Handel ohne Zweifel schwierige Probleme auf.

Wie soll man Altgeräte loswerden, um Platz für neue Geräte zu schaffen? Welcher Kaufanreize soll man sich hierfür bedienen? Inwieweit reagiert der Verbraucher auf Preisänderungen und Sondernachlässe? Welche Möglichkeiten bietet eine gezielte Rabattpolitik gegenüber dem Groß- und Einzelhandel, um den Umsatz auszu weiten?

Diese Fragen lassen sich an keinem Beispiel besser als an dem der Rundfunk- und Fernsehindustrie demonstrieren. Nachdem in der Fernsehbranche jahrelang eine straffe Preisbindung praktiziert worden war, die allerdings immer wieder durch Außenseiter und auslaufende Gerätetypen durchlöchert wurde, brach die Preisbindung schließlich vollends zusammen, so daß das Bundeskartellamt wegen mißbräuchlicher Handhabung eingreifen mußte.

Mit dem Überangebot an Fernsehgeräten seine einerseits ein verstärkter Druck des Handels auf die Produzenten ein. Gleichzeitig sah sich der Handel gezwungen, ständig steigende Preisnachlässe an den Letztverbraucher weiterzugeben. Die Rabattschraube wurde also in zwei Richtungen in Bewegung gesetzt, mit der Folge, daß sich die Produzenten zunehmend bedroht sahen. Schließlich wurde ein Punkt erreicht, an dem sie gemeinsam zur Gegenwehr gegen den Handel antraten. Mit der bekannten Begründung, den Rabattwirrwarr beseitigen zu wollen, wurde ein Rabattkartell beim Bundeskartellamt angemeldet, in dem sich die Mitglieder verpflichteten, bestimmte Rabattsätze nicht zu überschreiten.

Auf den ersten Blick schien damit ein vernünftiger Ausweg gefunden zu sein. Richtig dosiert, hätte mit diesem Kartell erreicht werden können, daß Handel und Produktion sich in den Schaden der sinkenden Preise hätte teilen können. Der Verbraucher wäre dann in den Genuß günstigerer Preise gekommen, und die offensichtlich übersetzte Handelsspanne wäre auf ein vernünftiges Maß reduziert worden. Doch die Dinge waren schon zu weit fortgeschritten, so daß eine Einigung über die weitere Handhabung der Rabattvereinbarungen nicht zustande kam.