An der Pariser Börse machen Reformen Fortschritte. Zum Teil erstrecken sie sich auf rein technische Angelegenheiten, zum anderen werden sie aber auch, allgemeininteressierender Art sein. In dieser Hinsicht sind die Maßnahmen zu erwähnen, die man gegen sogenannte „Konzertzeichnungen“ zu treffen gedenkt. Von solchen Zeichnungen wird Gebrauch gemacht, wenn beispielsweise bei der Neueinführung von Aktien zu erkennen ist, daß die Kaufaufträge nicht voll zugeteilt werden können und deshalb rationiert werden muß. Um dann einen möglichst hohen Betrag von dem gewünschten Papier zu erhalten, erteilt man einen Pro-forma-Kaufauftrag über eine Summe, die man niemals anzulegen gedenkt. Da jedoch sicher ist, daß jeder Käufer nur 5 oder 10 Prozent auf seinen Auftrag zugeteilt erhält, braucht man eine volle Auftragsausführung auch nicht zu fürchten, aber man kann eine Zuteilung erwarten, die in etwa den tatsächlichen Vorstellungen entspricht. Konzertzeichnungen sind keinesfalls eine alleinige Eigenart der französischen Börse, sondern auch in der Bundesrepublik wohl bekannt, in der Hauptsache angewandt bei Anleihen, die überzeichnet zu werden drohen.

Der Pariser Börsenvorstand will als Abwehrmaßnahme fordern, daß für alle Börsenaufträge im Zusammenhang mit der Einführung neuer Aktien im voraus der gesamte für die Ausführung des Kaufauftrages erforderliche Betrag bei den Maklern hinterlegt wird. Dieser Schritt wird nicht ganz zu Unrecht scharf kritisiert, weil er die kapitalstarken Finanzorganisationen naturgemäß begünstigt.

Ziemlich viel Kummer macht der Börse die geringe Geschäftstätigkeit. Man verfügt jetzt zwar über einen technisch modernen und leistungsfähigen Börsenapparat, kann ihn aber nicht ausreichend nutzen. Für die Maklerfirma erweist sich der Personalbestand, der auf ein normales Geschäft zugeschnitten ist, als eine schwere finanzielle Belastung. Der tägliche Umsatz sollte nach den Vorstellungen der Börsianer in Paris bei 100 Millionen Francs liegen. In den letzten Wochen wurden oftmals aber nur 50 Millionen erreicht. Jede Propagandatätigkeit für die Börse ist der Korporation der Agents de Change, die Ministerialbeamte sind, strengstens verboten. Eine Lockerung dieser Vorschriften wird auf die Dauer nicht zu vermeiden sein. W. R.