Bundesverkehrsminister Seebohm kann mit sich und seinen Straßenbau-Leistungen zufrieden sein. Voller Stolz ließ er dieser Tage durch das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung die Ergebnisse einer repräsentativen Meinungsumfrage publizieren, die in seinem Auftrag vom Institut für Demoskopie in Allensbach durchgeführt wurde. Wörtlich: „In ihrem Urteil über die verkehrspolitischen Leistungen der Bundesregierung ist die Bevölkerung der Auffassung, daß im Straßenbau die größten verkehrspolitischen Leistungen der Bundesregierung liegen.“

Über die Fragestellung, die dieses erstaunliche Straßenbau-Lob des Volkes auslöste, findet sich in dem offiziellen Seebohm-Alibi nicht ein Wort. Dafür wird mit Prozentzahlen sehr exakt dargelegt, daß sich der weitaus überwiegende Teil der Befragten (43 %) für „mehr Sicherheit“ ausgesprochen hat. Für die Verbesserung der Bundesstraßen und für neue Autobahnen haben demgegenüber nur 31 bzw. 18 % der Befragten plädiert. Also wird dem Straßenbau im Urteil des Volkes eine mindere Dringlichkeit zugemessen. Aber wer ist nicht für Sicherheit, wer denkt schon bei einer solchen Fragestellung daran, daß Sicherheit im Straßenverkehr eine Frage des Straßenbaues ist?

Und schließlich freut sich der Bundesverkehrsminister darüber, daß sich nur noch 32 Prozent der Befragten durch den Straßenverkehr erheblich belästigt fühlen, gegenüber noch 38% im Jahre 1954: „Das ist eine gemeinsame Folge der Verkehrspolitik und der Verkehrs- und Raumplanung.“

Nun also wissen wir es. Die Bevölkerung hält nichts von dem dummen Gerede über Straßenbauversäumnisse und Verkehrschaos. Das Volk ist es zufrieden, nur die Presse will dem Bundesverkehrsminister Übles. Wahrlich, mit Meinungsumfragen läßt es sich trefflich argumentieren, cha.