Der Gedanke war: deutsche und französische Experten wollten sich ein bißchen unterhalten über das Problem der Studentenwohnheime – und dies in einem Kolloquium in Dijon. So war es zunächst verabredet. Dann aber wurde – im Juni dieses Jahres – das französischdeutsche Kulturabkommen abgeschlossen. Und nun wurde alles anders. Die französische Regierung griff tief in die Tasche und aus dem Kolloquium wurde ein Mammut-Kongreß mit 350 Teilnehmern (etwa 200 Deutsche, 150 Franzosen, plus einigen Einzelgängern aus England, den Niederlanden und Jugoslawien).

In drei Arbeitsgruppen, deren eine der Rektor der Universität Hamburg leitete, wurde versucht, in Diskussionen die Vorstellungen, die auf deutscher oder französischer Seite dem Bau von Studentenwohnheimen zugrunde liegen, zu umreißen. Eine lebendige Auseinandersetzung zwischen den Fachleuten auf beiden Seiten konnte jedoch – gemäß Parkinsonschem Gesetz – schon durch die große Zahl der Teilnehmer kaum zustande kommen. Immerhin wurde deutlich, daß die Franzosen eine einheitliche, klare Konzeption haben: Wohnheime sollen möglichst auf einem Campus-Gelände liegen; sie sollen von der Regierung unterstützt werden – und dem jungen Studenten nach der strengen Internatsschule ein freieres, alle Herkommensschichten integrierendes und für gemeinsame Aktivitäten offenes Universitätsleben ermöglichen.

Dagegen schien die Wohnheim-Konzeption auf deutscher Seite die zu sein, keine zu haben – nämlich, je nach den Möglichkeiten der Universitäten, Baugrund und Finanzierungsmittel zu bekommen (was bei einer föderalistischen Kulturpolitik eben umständlich ist), weiter zu wurschteln – oder, netter gesagt, unter den jeweiligen Umständen das Beste auf die Beine zu stellen. Wobei freilich auch strenge Kritiker zugeben müssen, daß jedenfalls an einigen deutschen Hochschulen dieses Beste langsam sogar schon gut wird.

Blieben die Diskussionen auch etwas unbefriedigend – immer dann, wenn es um Repräsentation, um Festessen, um Empfänge ging, zeigten sich die französischen Gastgeber von ihrer wirkungsvollsten Seite. Mehr als um theoretische Erörterungen ging es den Franzosen ganz offenbar darum, die deutsch-französische Freundschaft sichtbar zu demonstrieren. So wurde diese Konferenz schließlich gar zu einem „Politikum“. Und das Etikett las sich so: „Französisch-deutsche Beziehungen auf kulturellem Sektor.“

So kam es denn schließlich dahin, daß die Teilnehmer aus beiden Ländern, deren Diskussion ein wenig an der Oberfläche blieb, sich schließlich doch auf das allerbeste verstanden. Denn die Franzosen sind so vollendete Gastgeber. I. B.