Ich mache für mich Propaganda und verteile den ‚Demokraten‘ in der Stadtbahn.“ Diesen Satz notierte sich Georg Heym in sein Tagebuch, als im Herbst 1910 der Demokrat eine kleine Zeitschrift der politischen Avantgarde, zum ersten Mal einige Verse des ruhmsüchtigen jungen Mannes abdruckte. Viele seiner Aufzeichnungen, zahlreiche Gedichte, ja sogar ganze Dramen behandeln immer wieder das eine zentrale Thema: den Ruhm. „War ich berühmt, der Liebe würd’ ich rüsten / ein großes Fest...“, so beginnt. eines seiner frühen Gedichte. Und Georg Heym versäumte keine Gelegenheit, diesem sehnlich erwarteten Ruhm nachzuhelfen: So schrieb er für seine Vortragsabende eigene Besprechungen, ließ durch seinen Verleger Rowohlt seine erste Gedichtsammlung, den „Ewigen Tag“, an alle prominenten Kritiker seiner Zeit schicken und verteilte seine Publikationen sogar auf der Straße, um für sich „Propaganda zu machen“.

Doch zu seinen Lebzeiten und in den ersten Jahrzehnten nach seinem Tode blieb ihm dieser Ruhm versagt. Die Kenntnis seines Werkes war auf den engen Kreis weniger Eingeweihter beschränkt. Selbst Kurt Wolff konnte seine schöne Sammelausgabe aus dem Jahre 1922 nur mit großer Mühe absetzen. Fünfzig Jahre mußten vergehen, bis Heyms Wunsch nach allgemeiner Berühmtheit in Erfüllung ging. Die Wiederentdeckung dieses bedeutenden Lyrikers in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war sicherlich kein Zufall. Seine apokalyptischen Visionen des Untergangs, seine entlarvenden Bilder einer erstarrten Zeit haben heute eine Aktualität, um die ihn mancher zeitgenössische Dichter beneiden könnte.

So ist es nicht verwunderlich, daß im fünfzigsten Todesjahr Georg Heyms gleich drei Taschenbuchverlage sich entschlossen, Auswahlen der Gedichte (und auch der Prosa) einem breiteren Publikum vorzulegen.

Heyms erste Gedichtsammlung, 1911 bei Rowohlt erschienen, enthält der Band

Georg Heym: „Der ewige Tag“, herausgegeben von Carl Seelig; Verlag der Arche, Zürich; 88 S., 3,80 DM.

Er geht auf die Ausgabe der „Gesammelten Gedichte“ zurück, die Carl Seelig 1947 im gleichen Verlag edierte. Der Text der Gedichte wurde allerdings einer gründlichen Durchsicht unterzogen und erweist sich in der vorliegenden Ausgabe als durchaus zuverlässig. Bedauerlich ist nur, daß die eigenwillige Anordnung der Gedichte durch den verstorbenen Herausgeber in die Neuauflage übernommen wurde; der Briefwechsel Georg Heyms mit Rowohlt hat doch in aller Deutlichkeit gezeigt, welchen Wert der Dichter auf die von ihm festgesetzte Anordnung legte. Auch mit dem nur leicht gekürzten Abdruck des Nachwortes hat man dem früheren Herausgeber keinen großen Dienst erwiesen. So verdienstvoll. Dokumentation und Anschaulichkeit der Skizze von Heyms Leben und Wirken auch sein mögen, so revisionsbedürftig erscheint diese Darstellung nach der Veröffentlichung der Tagebücher und Briefe.

Neue Wege beschreitet eine Auswahl, die unter dem Titel