FÜR alle, die sich für Kunst interessieren, gleichgültig, ob nun Plastik oder Archäologie ihre Spezialgebiete sind oder nicht –

Ernst Langlotz: „Die Kunst der Westgriechen in Sizilien und Unteritalien“, Aufnahmen von Max Hirmer; Hirmer Verlag, München; 108 S. Text mit 10 Abb., 1 Landkarte, 168 Schwarzweiß-Bildseiten, 68,– DM.

ES ENTHÄLT die Darstellung eines archäologischen Gebietes, das, als „großgriechisch“ bezeichnet, bisher eingehender Betrachtung und Forschung zumeist nicht recht für würdig erachtet wurde, weil es, mit der Kunst des griechischen Mutterlandes verglichen, als zweit- oder drittrangig galt.

ES GEFÄLLT, weil hier mit ausgezeichneten Mitteln der Interpretation (Langlotz ist Archäologe der Bonner Universität) und verständiger Photographie begonnen wird, das Unrecht der bisherigen Klassifizierung wiedergutzumachen. Viele Werke sind von frappierender Schönheit. Hier kann auch der Plastikliebhaber, der von Nietzsches Kritik an Winckelmanns These von der „edlen Einfalt und stillen Größe“ griechischer Kunst nichts weiß, sich selber überzeugen, wie einseitig die Auffassung nicht allein des achtzehnten Jahrhundert war, sondern auch wie wenig unvoreingenommen wir selber noch sind. Zumal an Winckelmanns Auffassung gemessen, wirkt die Plastik Unteritaliens oft „ungeschminkt“: ungezwungener, unmittelbarer und lebensvoller, ohne deshalb gleich schon realistischer zu sein. Erst wer auch diese Domäne genau zur Kenntnis nimmt, scheint nunmehr befugt, Gesamturteile über die Kunst der Griechen abzugeben. R. D.