2. Von den Büchern aus der Herbstproduktion 1963, die ja noch gar nicht vollständig vorliegt und die uns oft in teilweise nur bruchstückartigen Lesestücken bekannt ist, wird sich meine Firma in den kommenden Monaten sicher besonders für drei Bücher einsetzen. Das ist zuerst Theodor Heuss, "Erinnerungen 1905–1933" (Rainer Wunderlich Verlag), dann der neue Roman von Heimito von Doderer, "Roman Nr. 7" (C. H. Beck), und weiter Richard Friedenthal, "Goethe" (Piper Verlag).

3. Wenn es irgend geht, will ich kein Buch seinem Schicksal überlassen. Ich glaube nicht, daß wir Buchhändler das tun, denn dieses "dem Schicksal überlassen" ergibt sich zwangsläufig aus den verschiedensten Gründen. (Es soll auch schon passiert sein, daß eine wesentliche Neuerscheinung von der Kritik zunächst gar nicht erwähnt und erst nach dem Weihnachtsfest entdeckt wurde. Von erfolgreichen Büchern ist das damals mit der deutschen Übersetzung von Munthe, "San Michele", passiert.) Bei einer solch großen und weitverzweigten Produktion, wie sie auf der Buchmesse 1963 der Öffentlichkeit gezeigt wird, wird es allein wegen der Breite des Gebotenen unvermeidlich sein, daß einige sehr wichtige Bücher zunächst "ihrem Schicksal" überlassen werden. Habent sua fata libelli .. ., das war schon vor der Erfindung der Buchdruckerkunst der Eindruck manches klugen Beobachters!

Wenn Sie aber meinen, daß es Bücher gäbe, die wir "auf keinen Fall empfehlen" sollen oder wollen, glaube ich, daß auch diese Fragestellung nicht so beantwortet werden kann. Wir Buchhändler stehen manchmal nicht zu Unrecht im Verdacht, mit raschem prägnanten Urteil unsere Kunden überzeugen zu wollen. Ich halte dafür, daß gerade den Büchern gegenüber, die wir noch gar nicht kennen können, ein so rasches Urteil nicht am Platze ist.