Von Haag von Kuenheim

Und Bitte ich höflichst um Aufnahme in Ihr Verzeichnis... oder mit anderen Worten: Man wünscht in den Gotha der Fertighäuser aufgenommen zu werden, in das neue Fertighaus-Verzeichnis. Auch wenn das Verlangen nur auf einer simplen Postkarte ausgedrückt ist, so möchte man doch zu den Auserwählten gehören, die die Förderung des Bonner Wohnungsbauministeriums genießen, und auf denen das prüfende Auge des Instituts für Bauforschung in Hannover anerkennend ruht.

Man möchte meinen, daß dieses neue Verzeichnis die vielen Namen gar nicht fassen kann, denn wie las man es doch: Von 300, 400, 500 Unternehmern war die Rede, die ein Fertighäuschen produzieren und auf dem deutschen Markt Käufer suchen. Und so will man es dann gar nicht glauben, daß am 14. Oktober eine Sitzung im Bundesministerium für Wohnungswesen – mit dem Tagungspunkt: Aufnahme in das Fertighaus-Verzeichnis – abgeblasen werden mußte, weil weit und breit keiner mehr da war, der in die Spalten dieses Verzeichnisses Einlaß finden könnte.

Bitten, aufgenommen zu werden, sind zunächst auf die Schreibtische des Instituts in Hannover genügende geflattert, 354 Unternehmen fragten an. Zwölf von ihnen verzichteten sofort auf ihr Vorhaben, als ihnen geantwortet wurde, was alles erforderlich sei, um vor den Prüfern des Instituts zu bestehen. Da müssen Zeugnisse anerkannter Prüfungsinstitute und Anstalten über die technischen Eigenschaften der Fertigteile beigebracht werden, beispielsweise statische Unterlagen, da müssen exakte objektive Beurteilungen über die Sicherheit, die Lebensdauer und über Art und Aufbau der Fertigteile vorliegen.

Zwanzig blieben übrig

Diese Anforderungen scheinen viele Unternehmer zu überfordern, zumal dann, wenn ihre Fertigteile produzierende Firma nur auf einer Postkarte existiert oder in einem farbigen Prospekt. Von den 354 Firmen sind zwanzig übriggeblieben, die alle Voraussetzungen erfüllten. Ihre Berichte stehen bereits im Verzeichnis oder werden gerade gedruckt. „Nach der Prüfung der ersten 20 Anträge und nach ihrer Aufnahme in das Verzeichnis liegen dem Institut zur Zeit keine Aufträge mit vollständigen prüfungsfähigen Unterlagen mehr vor“, erklärt Professor Wolfgang Triebel, der Leiter des Instituts in Hannover, etwas resignierend, und wenn er selber so recht auch nicht daran zu glauben scheint, sagen wird er’s wohl müssen: „Man kann aber erwarten, daß in einigen Wochen die Antragsteller die Unterlagen für weitere Bauarten soweit vervollständigt haben, daß sie ebenfalls abschließend geprüft werden können.“ Und dann wird man vielleicht eines Tages die ausgefallene Sitzung nachholen können.

Der Laie, dessen Interesse für das schlüsselfertige Häuschen jetzt allenthalben und allerorten entdeckt wurde und der nicht so recht weiß, welche Maßstäbe er anzulegen hat, um zu wissen, ob das Häuschen seiner Wahl wohl auch hält, was der Firmenkatalog verspricht, dem erscheint das Fertighaus-Verzeichnis als der rettende Strohhalm, an den er sich klammern kann. Zwar findet er in ihm viele der Daten und Bezeichnungen wieder, die er im Firmenkatalog las, aber er ist nun sicher, daß es mit diesen Bezeichnungen seine Richtigkeit hat. Er kann den Angaben der Prüfungsstelle vertrauen, die festgestellt hat, daß die nur zentimeterdünnen Wändchen nicht mit dem Daumen einzudrücken sind, daß sie Kälte nicht hineinlassen, Zentralheizungswärme nicht hinaus und Lärm weder herein noch hinaus. Er kann darauf vertrauen, daß die statischen Erfordernisse eingehalten wurden und die Treppen nicht einstürzen werden. Letztlich soll ihm das Fertighaus-Verzeichnis bestätigen, daß die in ihm aufgenommenen Fertighäuser auf ähnlich gut fundierten Grundlagen stehen wie die nach jahrzehntelangen Erfahrungen gewachsenen herkömmlichen Häuser. Die Banken und Versicherungen sollen, wenn sie das neue Haus beleihen oder versichern, ihre Entscheidungen auf Grund des Verzeichnisses genauso treffen können, wie sie es bisher taten.