Er saß auf einem dieser unruhigen Höckerchen und betrachtete den Wirt, der sich klein und fett hinter dem Tresen zu schaffen machte.

Dieser Mensch brachte es fertig, ihn an eine längst vergessene Theorie zu erinnern, die er vor langen Jahreneinmal im Anschluß an eine Dichterlesung mit glühendem Eifer verteidigt hatte. Es war dies ein Rationalisierungsvorschlag, von dem er sich eine erhebliche Verbesserung der Finanzlage des Fiskus, in diesem Falle seiner Stadt, versprochen hatte.

Er hatte den glänzenden Einfall gehabt, das Gewicht der Straßenbahnschaffner auf höchstens 140 Pfund zu beschränken, um so vor allem dem Gedrängel und der Platznot im Verkehr zwischen 17 und 19 Uhr eine zusätzliche Lücke zu schaffen.

Selbstverständlich hielt man ihn für verrückt. Der Dichter, dem der umwälzende Gedanke zu Ohren kam, war gar beleidigt. Dick wie er war, glaubte er, man wolle auch ihn rationalisieren und durch eine wertvolle Lücke ersetzen. Leider war er unersetzlich.

Aber das war lange her. Jetzt saß er da, betrachtete den Wirt und gab sich verzweifelt Mühe, nicht in sein Glas zu schauen. Denn er wollte nicht für einen Menschen gehalten werden, der in billigen Eckkneipen an der Bar sitzt und in sein Glas schaut. Das wollte er auf keinen Fall. Er wollte nur dasitzen und sein Interesse zwischen der alten Frau am anderen Ende der Theke und dem Wirt teilen, der ihn so sehr an die Begeisterungsfähigkeit seiner Jugend erinnerte.

Die alte Frau hatte ihn nicht lange fesseln können. Er mochte alte Frauen nicht. Als er hereingekommen war, hatte sie noch näher an seinem Platz gesessen. Sie hatte ständig mit verhaltener Stimme behauptet, daß sie noch immer unschuldig sei.

Niemand hörte ihr zu, und so wie sie aussah, hätte sich auch schwerlich jemand gefunden, der es bezweifelt hätte.