Bei ihrer Suche nach fernen Spiralnebeln empfingen englische Radioastronomen vor einigen Wochen mysteriöse Funkzeichen. Daß es sich dabei nicht um Nachrichten aus den Tiefen des Kosmos handeln konnte, war den Wissenschaftlern in Cambridge von vornherein klar, aber sie waren nicht minder daran interessiert, den irdischen Sender dieser geheimnisvollen Signale Zu entdecken, denn sie störten die Forschungsarbeit erheblich.

Es war nicht das erste Mal, daß die Radioastronomen die Erforschung entlegener Welten abbrechen mußten, bis man den Störenfried in der Nachbarschaft gefunden hatte. Diesmal war es der Prüfstand einer nahegelegenen Fabrik für Funksprechgeräte, zuvor hatten sich Schiffe auf der Themse, eine französische Fernsehstation und die Heizung in einer Tennisschlägerfabrik als Quellen des Ärgers entpuppt.

Die unangenehmen Erfahrungen der Wissenschaftler am Cambridger Radioobservatorium zeigen, welch ein Gedränge im Äther herrscht. Auf der Mittelwelle mischen sich schon lange die Programme der BBC mit arabischer Musik oder geisterhaften Wagner-Opern, und jetzt beginnt die Unordnung auch auf die hohen Frequenzen überzugreifen, die von Piloten, Wetterballons, Satelliten und Astronauten benutzt werden.

Dieses Chaos ruft nach einer weltweiten Funkverkehrsregelung, und um die geht es bei der „außerordentlichen Konferenz“ der International Telecommunications Union, die Anfang dieser Woche in Genf begonnen hat. Fünf Wochen lang werden hier die Experten aus 66 Ländern tagen.

Das Thema der Beratungen ist die Überwachung und Verteilung von Funkfrequenzen, die in der Raumfahrt verwendet werden. Hier gibt es eine Menge komplizierter Probleme: Ein Raumschiff, das in der Nähe des Mondes oder der Venus manövriert, kann von den gestreuten Signalen eines Passagierflugzeuges oder eines Radargerätes hoffnungslos fehlgeleitet werden. Die Funkzeichen einer Raumsonde sind so schwach, daß sie sich nur mit Antennen von der Größe eines Radioteleskopen empfangen lassen. Da kann es leicht vorkommen, daß Signale, die von einem fehlerhaften Funktaxigerät oder einem falsch abgestimmten Amateursender stammen, den „überzeugenden Beweis“ für das Vorhandensein von Leben auf dem Mars erbringen.

Ausgiebig wird in Genf über einen russischen Vorschlag diskutiert, die international festgelegten Notruffrequenzen (500 und 2182 kHz) auch Raumschiffbrüchigen zur Verfügung zu stellen. Überdies soll ein höheres Frequenzband speziell für Notrufe von Astronauten reserviert werden.

Die Sowjets haben noch einen anderen bemerkenswerten Punkt auf die Tagesordnung gebracht: Stationäre Satelliten sollen aus 35 Kilometer Höhe Rundfunkprogramme ausstrahlen, die direkt, also ohne Zwischenschaltung lokaler Sender, mit dem Radio- oder Fernsehapparat zu Hause empfangen werden können. Drei dieser „direkten Satellitensender“ würden den gesamten Globus bestrahlen. Der Energiebedarf eines solchen stationären Satelliten wäre ungeheuer hoch, deshalb ist an die Verwirklichung dieses Plans noch nicht zu denken. Dennoch wollen die Russen in Genf erreichen, daß jetzt schön bestimmte Frequenzen aus dem sehr dicht besetzten Bereich zwischen 30 und 3000 Megahertz für Experimente mit direkt sendenden Raumflugkörpern freigemacht werden. Möglicherweise schicken die Sowjets bereits in naher Zukunft den ersten – freilich nicht stationären – Versuchssender dieser Art mit einem ihrer massiven Raumschiffe um die Erde.