Von Maria O. de Herzfeld

Am 12. Oktober – dem Tag, an dem Kolumbus Amerika entdeckte und der als Dia de la raza Nationalfeiertag der Neuen Welt ist – wird Dr. Arturo Humberto Illia mit den Emblemen des argentinischen Präsidenten, dem Band und dem Stock, geschmückt.

Damit wird – nach einem eineinhalbjährigen Interregnum einer revolutionären de-facto-Regierung – das größte Land der spanischsprechenden Welt wieder in die legalen Gleise der konstitutionellen Normalität einfahren. Eine dejure-Regierung wird Argentinien vor seinem Volk und in der Welt vertreten.

Schon die Tatsache, daß es gelang, das Land, das nach der Absetzung Frondizis (im März 1962) von einer gefährlichen moralischen und wirtschaftlichen Krise geschüttelt war, auf demokratischem Wege zu befrieden, ist Anlaß zum Optimismus. Dieser Optimismus rieselte denn auch nach den Wahlen vom 7. Juli auf das Land nieder wie Regen nach ausdörrender Trockenheit. Die Wahlen sollten nach dem Plan der herrschenden Militärgruppe ein Wendepunkt zum Guten werden. Daß sie es wurden, verdanken die Generäle allerdings weniger ihren Plänen als der Fortune, die nach Meinung von Napoleon ja auch die wichtigste militärische Eigenschaft sein soll.

Die Partei der Peronisten beging eine Art politischen Harakiris, indem sie sich kurz vor dem Wahltag spaltete und Peróns Stimmenenthaltungs-„Order“ nicht befolgte. Als Überraschungssieger sahen sich in der Nacht vom 7. zum 8. Juli die Volksradikalen mit etwa 26 Prozent der Stimmen. Damit hatten sie genügenden Vorsprung vor den anderen 21 Parteien, ihrem Kandidaten Illia die Präsidentschaft und der Partei die Führung im Parlament sowie die Mehrheit im Senat und in den Provinzbehörden zu sichern.

Der Optimismus gilt aber auch dem Manne Arturo Illia selbst, der so überraschend aus einer bestenfalls, zweiten Linie der politischen Führer Argentiniens auf den vordersten Platz der Szene rückte. Die Titelbilder der Presse, der Fernsehschirm und die Kinoleinwand machten bald das argentinische Volk vertraut mit dem ernsten, etwas versorgten und runzeligen Gesicht eines frühgealterten, grauen Landarztes, der mit wissenden und gütigen Augen mehr nach innen als nach außen zu schauen schien.

Dieses Gesicht des erst 63jährigen, der wie ein Patriarch wirkt, flößte spontan Vertrauen ein, dasselbe Vertrauen, das sich der Arzt Illia in seiner Praxis in der kleinen Cordobeser Bergstadt Cruz del Eje erworben hatte, in einer Praxis, die der politisch Engagierte stets als seine Haupttätigkeit, als seinen Beruf ausübte, und in der die kleinen Leute das Wartezimmer eines Hauses füllten, das dem materiell völlig uninteressierten Doktor von seinen dankbaren Mitbürgern geschenkt worden war. Illia behandelte die bedürftigen Patienten – die Mehrheit – gratis, und dementsprechend war der Lebensstil der Familie Illia bescheiden.