Dr. Horst Göppingen „Die Verfolgung der Juristen jüdischer Abstammung durch den Nationalsozialismus“, mit einem Geleitwort von Justizminister Dr. Wolfgang Haußmann; Ring-Verlag, Villingen; 156 S., 9,80 DM.

Zur Geschichte des Dritten Reiches und speziell zur Judenverfolgung sind in der letzten Zeit verschiedene wertvolle Untersuchungen erschienen. Einen kleinen, aber wichtigen Teil dieses Thema behandelt die Schrift des Stuttgarter. Oberlandesgerichtsrates Göppingen

Der Autor schildert in nüchternen Worten und vielen Belegen die Entrechtung der jüdischen Beamten und Anwälte, die Überrumpelung der Standesorganisationen, die „Überwachung“ der juristischen Literatur. Er berichtet von zwei Tagungen im Herbst 1936, auf denen bewiesen werden sollte, daß „der Einfluß der Juden auf das deutsche Leben grundsätzlich ein verderblicher und schädlicher“ sei – und stellt dem die Fülle dessen gegenüber, was jüdische Juristen seit Generationen für die deutsche Rechtswissenschaft geleistet haben.

Im zweiten Teil werden Einzelschicksale dargestellt. Fassungslos liest der junge Jurist von 1963, welchen unerhörten Aderlaß an wissenschaftlicher Kapazität sich die deutsche Juristenschaft des Jahres 1933 gefallen ließ. Namen über Namen, die alle einen hohen Ruf hatten und heute wieder haben – Menschen, die damals entlassen, beschimpft, vertrieben oder ermordet würden. Sogar, das Zitieren jüdischer Autoren war verboten, ihre – praktisch unentbehrlichen – Werke wurden aus den Gerichts- und Universitätsbibliotheken verbannt, und ein Mann wie Carl Schmitt – dem auch seine ärgsten Gegner nicht die Schärfe des Geistes absprechen – nannte die Beziehung des Judentums zum deutschen Geistesgut „parasitär, taktisch und händlerisch“ und sagte zur Begründung des Zitierverbotes: „Ein jüdischer Autor hat für uns keine Autorität, auch keine rein wissenschaftliche Autorität. Ein jüdischer Autor ist für uns, wenn er überhaupt zitiert wird, ein jüdischer Autor.“

Über viele der Verfolgten hat Göppinger nichts erfahren können; er bittet deshalb alle, die Einzelheiten über das Schicksal der jüdischen Juristen wissen, an der ferneren Aufklärung mitzuarbeiten.

Hans Peter Bull