Der „Campus“ und der Gedanke der „Bildungsuniversität’’

Von Hans Wenke

In unserer Serie, die einen Überblick über die Neugründungen deutscher Universitäten geben soll, schilderte der Hamburger Ordinarius und ehemalige Schul-Senator Professor Dr. Hans Wenke in der letzten Nummer die Gründung der Universität Bochum. Ein dritter und letzter Teil soll nächste Woche das Projekt Konstanz und andere Pläne behandeln.

Als der „Beratungsausschuß für die Gründung einer Universität zu Bremen“ seine Tätigkeit aufnahm, fand er bereits eine Konzeption vor, die Hans Werner Rothe in einer ausführlichen Denkschrift beschrieben und begründet hatte. Da das Parlament – die Bürgerschaft von Bremen – dem Plan zur Errichtung einer Universität ausdrücklich auf der Grundlage dieser Denkschrift zugestimmt hatte, erhielt sie auch für den Ausschuß offizielle Bedeutung. Er hatte deshalb in seinen Empfehlungen zu erklären, wie weit er mit deren Auffassungen übereinstimmt und in welchen Punkten er abweicht und andere. Regelungen empfiehlt. Sowohl in der betonten Zustimmung wie in einer Reihe von Änderungsvorschlägen wurden – gewiß nicht zufällig – die zentralen und für die künftige Universität charakteristischen Probleme deutlich. Sie betreffen den Plan der „Campus-Universität“, die inhaltlich bestimmt ist durch den Gedanken der „Bildungsuniversität“.

Die Denkschrift geht von der Forderung ans, zu der überkommenen Doppelaufgabe von Forschung und Lehre eine dritte hinzuzufügen: die persönliche und individuelle Verbindung der Studenten mit ihrer Universität zu stärken. Es soll dadurch erreicht werden, daß man die Lehrer und die Studierenden zu einer Lebensgemeinschaft zusammenführt, und zwar so, daß auf dem Felde der Universität – in dem „Campus“ der Universität, wie die Denkschrift in Anlehnung an amerikanische Vorbilder dies nennt – die Studenten wohnen und ebendort auch ihre Leirer finden. In einer von Rothe verfaßten Obersicht über den Inhalt seiner Denkschrift finden wir folgende konkrete Hinweise: „Bei einer Gesamtstudentenzahl von etwa 5500 werden mindestens 2000 Wohnheimplätze in etwa 20 Wohnheimen benötigt. In einem Wohnheim sollten möglichst nicht mehr als 100 Studenten untergebracht werden. Eigene Heime für ausländisch Studenten werden abgelehnt. In jedem der Wohnheime, in dem ein Dozent als akademischer Leiter‘ wohnt, sollten ausländische Studenten leben“

Diese Organisation wird mit dem Gedanken einer „Bildungsuniversität“ begründet: „De Grundkonzeption läßt sich als ‚Bildungsuniver:sität‘ im wahrsten Sinne des Wortes Bildung umschreiben. In dieser Universität soll neben den unabdingbaren Wesensmerkmalen der Forschung und Lehre die außerwissenschaftliche Erziehung und Bildung der Studenten als drittes Wesensmerkmal hinzutreten.“ Wenn auch der Campus das Fundament aller dieser Bemühungen sein soll, so empfiehlt die Denkschrift eine Reihe von Einrichtungen, die der „außerwissenschaftlichen“ Erziehung und Bildung zu dienen haben und die unter dem Namen einer „musischen Mitte“ eingeführt werden, und zwar in Form von Instituten für Leibeserziehung, Musikerziehung sowie Kunst- und Werkerziehung. Es wird in diesen Zusammenhang erklärt, daß die Schaffung dieser „musischen Mitte“ und der Studentenwohnheime auf dem Campus für die Verwirklichung der Konzeption einer neuen Universität von entscheidender Bedeutung seien.

Die Pädagogische Hochschule