Die Deutsche Mark – Erste Zeitschrift mit Warentests – stellt einen Auflagenrekord nach dem anderen auf – und allmählich sogar den Spiegel in den Schatten. Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich diese Zeitschrift ihren Platz an der Sonne erobert, und niemand wird dem Verleger und Verbraucherbeschützer Waldemar Schweitzer seinen Respekt versagen können. Es sieht auch nicht so aus, als ob der Deutschen Mark in absehbarer Zeit irgend jemand den Rang streitig machen könnte, zu allerletzt ein staatliches Testinstitut. Wenn der Stuttgarter Zeitschrift überhaupt noch eine Gefahr droht, dann aus den eigenen Reihen, genauer, aus der eigenen Redaktion. Was zu beweisen wäre.

Klaus Kulkies fuhr im Auftrag der Vierteljahreszeitschrift „Capital zur „D-Mark“ und zählte bis 2704. Das ist die Zahl der Fragebogen, die Kulkies im Testinstitut Fellbach bei Stuttgart in 18 Leitzordnern vom Typ A 75 vorfand. Es handelte, sich hierbei um die Unterlagen einer Autofahrerumfrage, die von der Testzeitschrift am Jahresanfang angekündigt worden war: „DM untersucht Autos. 16 000 Leser helfen mit. Es soll festgestellt werden: wie verhalten sich Autos auf der Straße?“

So sehr man ein solches Verfahren vom statistischen Standpunkt in Frage stellen muß – ein repräsentatives Umfrageergebnis hätte sich auf diese Weise nie gewinnen lassen –, so wenig wird man an dem guten Willen der DM zweifeln dürfen, ihren Lesern einen Dienst zu erweisen und der Automobilindustrie auf die Finger zu gucken. Indessen, der freundlichen Aufforderung der DM zur Mitarbeit folgten nur 2704 Leser. Das hinderte die Redaktion jedoch nicht, zu verkünden: „16 000 Kraftfahrer gehen in der DM-Umfrage ihrem Wagen Noten. Sie beurteilten die guten und schlechten Seiten wie Schulmeister. Die Noten reichten von 1 bis 4“ (Nr. 11/1963, S. 22).

Auf der Basis der Antwort in 21 (in Worten: einundzwanzig) Citroen-Ami-6-Fahrern kam die Redaktion zu dem Schluß, daß dieser Wagen im Noten vergleich am besten abschnitt: „Er erhielt gute Noten für Bequemlichkeit, Federung, Straßenlage, Kraftstoffverbrauch und Wirtschaftlichkeit allgemein“ (Nr. 11/1963, S. 21).

Für die Beurteilung des Volvo 122 S und des Fiat 1800 B reichten 15 (fünfzehn) beziehungsweise 21 (einundzwanzig) Antworten aus: „Gute Autos kommen aus dem Ausland... Die beste Beurteilung für die Verarbeitung allgemein erhält der schwedische Wagen Volvo ... Die beste Bewertung für den Preis bekommt der Fiat 1800 B“ (Nr. 12/1963, S. 30).

Soweit die Recherchen von „Capital“ zur Autoumfrage der DM, mit der Millionen Leser über 12 Nummern hindurch in Atem – und zum Narren – gehalten wurden. Es wäre leichtfertig – und ungerecht – auf Grund dieser Geschichte den Stab über die DM brechen zu wollen. Es wäre ebenso töricht, sich schadenfroh die Hände zu reiben; aber Sorge muß es bereiten, zu sehen, wie wenig sich die Stuttgarter Zeitschrift ihrer Verantwortung (noch) bewußt ist.

„Wir wissen, daß wir ein Monopol haben“, frohlockte die DM in einer ihrer letzten Ausgaben. Es muß einem schlecht werden, bei dem Gedanken, daß dieses Monopol mißbraucht werden könnte. Willi Bongard