Der Wettbewerb in der Kredit- und Versicherungswirtschaft ist im Verhältnis zu anderen Wirtschaftszweigen schwach. Das ist nicht nur auf staatliche Regelungen, sondern auch auf die in diesen Wirtschaftsbereichen seit langem bestehende Solidarität sowie auf die weit verbreiteten Verbandsempfehlungen zurückzuführen. Die Voraussetzungen für eine Verstärkung des Wettbewerbs im Kreditgewerbe sind mit Inkrafttreten des neuen Kreditwesengesetzes zum 1. Januar 1962 verbessert worden.

In diesem Gesetz ist der Umfang der behördlichen Regelungen gegenüber früher eingeschränkt worden. Es bestimmt u. a., daß für Zinsen und Provisionen durch die Aufsichtsbehörde nur noch Grenzen und keine festen Sätze mehr festgelegt werden sollen. Damit ist die Möglichkeit zum wirksamen Wettbewerb in der Zins- und Provisionsgestaltung unter Beachtung der von der Fachaufsichtsbehörde festzulegenden Grenzen geschaffen.

Das Eintreten eines großen Verbandes des Kreditgewerbes für eine freie Zinsbildung, für eine liberalere Zinspolitik und die prinzipielle Loslösung des Spareinlagenzinses vom Diskontsatz lassen eine größere Aufgeschlossenheit für den Wettbewerb im Kreditgewerbe erhoffen. Auf eine gewisse Belebung des Wettbewerbs im Kreditgewerbe deutet auch die Tatsache hin, daß einerseits die Sporkassen mehr und mehr ihr Kreditgeschäft mit mittleren und größeren Industrieunternehmen auszudehnen suchen, andererseits die privaten Banken das Einlagengeschäft mit kleinen Sparern verstärken.

Bericht der Deutschen Bundesbank 1962.