Die Kreditanstalt für Wiederaufbau trägt auf dem Gebiet der langfristigen Exportfinanzierung die Last eines Monopols. So wenigstens sagt man in ihrem Hause. Aufgabe des Institutes ist es, Bankgeschäfte zu betreiben, die kein privates Kreditinstitut übernehmen kann oder übernehmen will. Das gilt auch für den weiten Bereich der Exportfinanzierung. Hier sind die Konditionen auf ein äußerstes Maß herabgedrückt. Die Industrie für Anlagegüter steht mit dem Ausland in einem sehr scharfen Wettbewerb. Er spielt sich vor allem auf dem Gebiet der Zahlungsbedingungen ab. Die in der Entwicklung begriffenen Länder sind bestrebt (da sie über keine eigenen leistungsfähigen Kapitalmärkte verfügen) die Last der Finanzierung den Industrieländern zuzuschieben. Diese haben ein begreifliches gemeinsames Interesse daran, daß der Bogen nicht überspannt wird. Auf dem Gebiet der langfristigen Exportfinanzierung ist es aus solchen Überlegungen heraus schon vor langen Jahren zur Berner Union gekommen. Sie ist die internationale Vereinigung der Exportkreditversicherer. Ihre Aufgabe ist es, zu verhindern, daß den Exporteuren die Deckung von Geschäften mit anomalen Zahlungsbedingungen ermöglicht wird. Auf dem Gebiet der Konditionen soll es – wenn es nach den Vorstellungen der Berner Union ginge – im internationalen Geschäft zu keinem ungesunden Wettbewerb kommen. Als Maximum einer Exportfinanzierung gelten in etwa fünf Jahre, und zwar auch nur bei Großaufträgen für schwere Anlagegüter.

Es liegt im Wesen des Wettbewerbs, immer wieder aufs neue zu versuchen, solche Bedingungen zu umgehen. Längerfristige Ziele und billige Zinsen werden in der Tat gewährt, um Großaufträge für das eigene Land hereinzubekommen. Zwischen den europäischen Lieferländern besteht dabei auch heute noch Disziplin. Sorge bereitet dagegen die amerikanische Export-Importbank. Sie vermag, da sie in der US-Regierung einen starken Rückhalt findet, Finanzierungshilfen zu gewähren, die von der deutschen Exportwirtschaft Zumindestens als außerordentlich großzügig empfunden werden. Weiter sind es die Japaner, die durch offene oder verdeckte Regierungsunterstützungen ihre Industrie, vor allem die Werften gegen andere ruinös-leistungsfähig gemacht haben.

In weiten Bereichen der langfristigen Exportfinanzierung ist insofern ein Wandel eingetreten, als nicht mehr der Exporteur, sondern der fremde Importeur vom Lieferland Kredite erhält. Die deutsche Industrie hat es stets als systemfremd empfunden, auf den überseeischen Märkten in die Rolle eines Kreditinstitutes gedrängt zu werden. Die Unternehmen sehen ihre Aufgabe im Grunde als erledigt an, wenn die bestellten Anlagen geliefert und aufgestellt sind, wozu der übliche Service, die Einweisung der Belegschaften, Garantieleistungen usw. hinzukommen. Die Finanzierung aber hat mit dem nichts zu tun.

Die KfW konnte sich auf die Dauer diesen Vorstellungen der Industrie nicht verschließen. Sie ist dazu übergegangen, die Außenwirtschaftskredite nicht dem deutschen Exporteur, sondern dem Besteller im fremden Lande zu geben. Dieser kommt damit in die Lage, den Lieferanten sofort zu bezahlen. Das ist natürlich für die Bank ein risikobelastetes Geschäft. Die KfW vermag es zu betreiben, weil sie die Bundesgarantie im Rücken weiß. Diese bildet die Voraussetzung für alle langfristigen Exportfinanzierungen. Es verbleibt der Selbstbehalt, das heißt der Anteil am Rechnungsbetrag, für den der Bund keine Garantie übernimmt. Diese Lücke wird durch eine Bürgschaft des Exporteurs geschlossen.

Diese Finanzierungsreform setzt sich überall in der Welt durch. Das ist insofern nicht ohne Bedeutung, als das zur Auflockerung der Usancen beiträgt. Die Berner Union regelt an sich nur die Konditionen bei der Versicherung von Exportgeschäften. Formaljuristisch gesehen, ist sie deshalb an diesen Geschäften nicht interessiert Die Investitionsgüter exportierenden Industrieländer fühlen sich dabei aber nicht ganz wohl Sie üben aus freien Stücken Disziplin und besprechen auf den Sitzungen der Berner Union – wenn auch in unverbindlicher Form – die auf sie zukommenden Großgeschäfte. Das trägt dazu bei, daß die Konditionen im Rahmen des Erträglichen bleiben, und daß nicht Kredite zu Bedingungen gewährt werden, die weit unter dem liegen, was noch als marktkonform angesehen werden kann.

Die KfW hat es niemals als ihre Aufgabe angesehen, große Gewinne zu erzielen. Sie stellt ihr Potential der Außenwirtschaft zu Bedingungen zur Verfügung, die es dieser ermöglichen, im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Die Anleihe, die in diesen Tagen von der Kreditanstalt aufgelegt wird, bringt ihren Käufern bei pari-Auszahlung 6 %. Das ist das Beste an Konditionen, was der Markt heute hergibt. Unter 6 1/4 % könnte also die KfW eine Exportfinanzierung nicht durchführen, wenn sie allein auf den Kapitalmarkt angewiesen wäre. Das ist jedoch nicht der Fall, ihr stehen auch Bundesmittel zur Verfügung. Durch eine Mischung von Kapitalmarktmitteln und öffentlichen Mitteln ist es der Kreditanstalt möglich, den Zinssatz bei Exportfinanzierungen um etwa 1/4 %, auch etwas mehr, herunterzudrücken, je nachdem, wie es die Wettbewerbslage im Einzelfalle erforderlich macht.

Das erzwingt eine flexible Geschäftspolitik. Ihre Geschäfte wickelt sie zu einem guten Teil am Telephon ab. Die Kreditzusage ist mindestens so wichtig, wie die Kredite selbst. Mit ihr gehen die Exporteure in die Verhandlungszimmer, vor deren Türen meist schon der Konkurrent mit dem Gegenangebot steht. W. R.