„Schloß Gripsholm“ (Bundesrepublik; Verleih: Gloria): Kurt Hoffmann taumelt von einer künstlerischen Katastrophe zur andern. Bei der neuesten hat er sich an Tucholsky vergriffen, und das muß ihm extra angekreidet werden, denn die Verfälschung ist hahnebüchen. Bei Tucholsky hatte die heitere Feriengeschichte eine Dimension: Der Autor wußte, daß er in Deutschland nicht bleiben konnte, der Sieg des Faschismus, gegen den er mutig wie wenige eingetreten war, stand vor der Tür. Nichts mehr davon bei Hoffmann. Im üblichen Kino-, das heißt Wohlstandsmilieu, häkelt er eine täppische Geschmacklosigkeit an die andere und gefällt sich in billigem Ansichtskartenkitsch. Das äußerste an Engagement ist für Hoffmann, zu sagen, daß es in Schweden deutsche Urlauber gibt, die Bier trinken. Ansonsten: nur nicht hinsehen! Die eingestreuten Tucholsky-Zitate wirken wie Hohn, aber eine Vokabel, die fällt, trifft: Aus dem erotischen Fluidum der Vorlage ist etwas geworden, bei dem man „Eunuchengefühle“ bekommt. uwe