Von Werner Büdeler

Aus dem Bereich der Raumfahrt kommt die Kunde, daß man beginnt, seltsamen psychophysischen Zusammenhängen auf die Spur zu kommen, Wechselwirkungen, die vielleicht einmal das Phänomen der Telepathie erklären könnten.

Sicherlich hätten die Ingenieure, Naturwissenschaftler und Mediziner, die in diesen Tagen beim 14. Jahreskongreß der „Internationalen Astronautischen Föderation“ in Paris zusammenkamen, die ganze Sache für einen Witz gehalten. Doch der Vortragende, der in seinem Grundsatz-Referat über Bioastronautik auf die Erklärung und Anwendung der Gedankenübertragung zu sprechen kam, ist Leiter eines Forschungsteams der US-Weltraumbehörde, Dr. Eugene Konecci, Direktor der NASA-Abteilung Biotechnik – ein absolut ernst zu nehmender Mann der angewandten Wissenschaft.

„Der Mensch soll durch verbesserte Geräte und durch die Ausdehnung der Operationsmöglichkeiten gegenüber den lebensfeindlichen Phänomenen im Weltraum zunehmend überlegener gemacht werden“, erklärte Konecci. „Dieses Ziel können wir nur erreichen, wenn wir danach trachten, unsere physiologischen und psychologischen Erkenntnisse zur Grundlage technischer Systeme Werden zu lassen.“

Wie lückenhaft jedoch noch diese Erkenntnisse sind, sofern es sich um Menschen handelt, die dem Schwerefeld der Erde entrückt sind, demonstrierte der amerikanische Astronaut Gordon Cooper, der den Erdball zweiundzwanzigmal auf einer Satellitenbahn umrundet hat. Von diesem Fluge zurückgekehrt, behauptete Cooper erneut, was er den Bodenstationen während der Erdumkreisung wiederholt mitgeteilt hatte: er habe aus seiner Raumkapsel – aus einer Höhe von immerhin 200 bis 250 Kilometern! – nicht nur Kontinente und Meere, Wolken und Städte gesehen, sondern auch deutlich Eisenbahnlinien, den Rauch von Schornsteinen, ja sogar einzelne Eisenbahnzüge, Fabrikschlote und Häuser erkennen können.

Diese Behauptung des Astronauten rief unter den Psychologen und Medizinern Verwunderung hervor. Aus der großen Entfernung der Mercurykapsel von der Erdoberfläche ergab sich für die angeführten Objekte ein so kleiner Gesichtswinkel, daß schon geometrisch-optische Gründe gegen derartige Beobachtungen sprachen.

Inzwischen haben Physiologen und Psychologen – wie Konecci berichtete – drei Hypothesen aufgestellt, die diesen scheinbaren Widerspruch erklären sollen: Eine physikalische Theorie unterstellt, daß die Atmosphäre der Erde wie eine gigantische Lupe wirkt, die alle Objekte, die senkrecht unter dem Astronauten, also in Richtung Erdmittelpunkt, liegen, vergrößert. Hypothese Nr. 2 nimmt an, kleine Gegenstände seien aus der Entfernung besser erkennbar, wenn sie sich an den Endpunkten schmaler, langgestreckter Dinge befinden, an Leitungsdrähten, Eisenbahnschienen oder Rauchfahnen.