Wenn ich von Hannover nach Hamburg (oder umgekehrt) fahre, verlasse ich – wenn mir eben Zeit bleibt – an der Abfahrt Behringen die Autobahn, biege in die Landstraße Richtung Wintermoor ein und bin nach sechs Kilometernmitten im Naturschutzpark Lüneburger Heide. Auf dem Parkplatz Haverbeck empfangen mich zwar regelmäßig (außer in den Wintermonaten) schier unübersehbare Reihen parkender Autos, Omnibusse in großer Zahl und auch die Peter-Steilen-Hütte, in der es Milch, Buttermilch und Kaffee zu mäßigen Preisen gibt. Dafür habe ich aber keinen Umweg gemacht. Auch nicht um die Touristen zu sehen, die sich dort laben oder in Massen umherstiefeln, „Erika“ pflücken und „Grün ist die Heide“ singen. Andere warten geduldig auf Kutschwagen, die sie laut Preisliste für 7,50 Mark nach Wilsede oder für fünf Mark eine Stunde lang durch die Heide fahren.

Hier – unter dem Touristenrummel – ist meine Laune jedesmal auf dem Tiefpunkt angelangt, obwohl ich inzwischen weiß: Hier muß man nun einmal hindurch. Es gibt nur sechs Parkplätze in dem großen Naturschutzpark, und dieser liegt am günstigsten, wenn man von der Autobahn kommt. Außerhalb der Straßen und Parkplätze darf man nicht parken.

Wenn ich fünf Minuten gelaufen bin, sehe ich die letzten, besonders eifrigen Heidepflücker. Nach höchstens zehn Minuten begegne ich den letzten Spaziergängern. Dann bin ich anscheinend allein in dem 22 Kilometer langen und 12 Kilometer breiten Naturschutzgebiet.

Dann bin ich wieder an der Peter-Steilen-Hütte zwischen denen, die Heide pflücken, und denen, die singen, trinke meine Milch für 20 Pfennig und schaue den Kutschwagen nach. Und letztens erfuhr ich sogar vom Wirt, wer Peter Steilen ist: „Der hat viel Geld gestiftet, damit das alles hier gemacht werden konnte und die Schafsställe wieder aufgebaut wurden...“ Ich will nur eine Stunde (oder zwei) meine Ruhe haben. Dann fahre ich zur Autobahn zurück. So verläuft der Ausflug in der Regel. Man darf sich allerdings nicht ärgern, wenn in dieser Gegend, wo man manche Gasthäuser nur zu Fuß erreichen kann, wo der Förster schon einem Radfahrer unwirsch nachblickt, wo die Polizei unnachsichtig jeden Fahrer aufschreibt, der auch nur ein paar Meter von einer der vier Transitstraßen abweicht, wenn man hier hin und wieder und in letzter Zeit etwas öfters ein Geräusch hört, das alten Soldaten wohlvertraut ist. Dort, wo niemand mehr fahren darf – außer Kutschwagen, dort, wo niemand etwas pflücken soll, braust dann ein Pulk Bundeswehr-Panzer quer durchs Gelände. Wenn man Glück hat, ist es nach 15 Minuten wieder still. hst